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(Online-)Netzwerke für Wissenschaftler*innen [019]

(Online-)Netzwerke für Wissenschaftler*innen [019]

Wer sich als Wissenschaftler*in nach beruflichen (Online-)Netzwerken umschaut, findet zahlreiche Angebote. ResearchGate, Academia.edu sowie Mendeley gehören in Deutschland zu den bekanntesten und am meisten genutzten. Welche Features diese gerade für den wissenschaftlichen Nachwuchs bieten und wie sich eine sinnvolle Auswahl treffen lässt, zeige ich in dieser Episode. Und auch wenn sich abzeichnet, dass es mit der Wissenschaftskarriere nichts wird, gibt es Möglichkeiten, den Wechsel in die Wirtschaft strategisch vorzubereiten.  

Shownotes: 

  • Auf dem Portal wissenschafts-thurm.de können sich Studierende über wissenschaftliches Arbeiten sowie Arbeiten in der Wissenschaft informieren, inklusive der "Grundlagen der Statistik" sowie einer Übersicht über Förderprogramme. Der Ton ist locker und die Seite lässt sich daher gut nutzen.
  • Wer mehr über den Einstieg und eine Karriere in den Naturwissenschaften wissen möchte, ist bei naturalscience.careers gut aufgehoben. 
  • Von den gleichen Autor*innen Karin Bodewits, Philipp Gramlich, Andrea Hauk ist das Buch "Karriereführer für Naturwissenschaftlerinnen. Erfolgreich im Berufsleben" bei Wiley-VCH/2015 erschienen. 

Artikel:

Ich bin ziemlich viel an Universitäten und Hochschulen unterwegs und spreche in dem Zusammenhang bei Vorträgen oder in Workshops über das Thema "Netzwerken". Dabei habe ich mit Absolventinnen und Absolventen, aber eben auch mit Promovend*innen oder Postdocs, also Wissenschaftler*innen, zu tun. Dabei geht es oft um die Frage, wie ich Netzwerken in der Wissenschaft so nutzen kann, dass ich mich auf meinem Berufsweg so weiterentwickle, dass ich am Ende einen Ruf auf eine Professur bekomme. Oder, was ja auch durchaus sein kann, dass ich mir einen Jobeinstieg nach der Wissenschaftskarriere suche. 

Wer wissenschaftlich arbeitet, findet natürlich die gängigen Netzwerke, die wir sonst auch kennen. Es gibt natürlich durchaus die Möglichkeit, sich auch in den beruflichen Netzwerken zu tummeln, also bei LinkedIn, bei Xing oder auch bei Facebook. Für Wissenschaftler*innen gibt es ein paar andere Gegebenheiten. Dafür sind entsprechende Netzwerke entstanden, die dem Rechnung tragen. 

Besondere Herausforderungen für Wissenschaftskarriere

Ein paar der Anforderungen oder auch Voraussetzungen für eine wissenschaftliche Karriere oder für einen Berufsweg im Bereich Forschung und Entwicklung in einem Unternehmen, muss man ein bisschen anders betrachten als, wenn man zum Beispiel im Management oder im Marketing oder im Controlling arbeitet. 

Auch hier lässt sich mein "5-Schritte-Programm" aus dem Karrierebooster Netzwerken anwenden. Zu Beginn steht immer die Frage: Wo möchte ich hin? Das heißt, wenn ich zum Beispiel an einer Hochschule bin und dort als wissenschaftliche Mitarbeiterin arbeite, sollte ich mir überlegen, ob ich in die Wissenschaft gehen möchte. Dann steht beim Netzwerken ein anderes Ziel als wenn ich direkt den Einstieg in ein Unternehmen plane.  Wenn du also in die Wissenschaft möchtest, solltest du dir die Online-Netzwerke für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler angucken. 

Netzwerke für Wissenschaftler*innen

Zu den Netzwerken für Wissenschafterinnen gehört zum Beispiel Researchgate. Es wurde von drei deutschen Wissenschaftlern gegründet und hat mittlerweile Standorte u.a. in Berlin und den USA. Ebenfalls sehr bekannt ist Academia.edu oder LabRoots, Mendeley oder auch MyScienceWork

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In Deutschland und an deutschsprachigen Hochschulen sind in der Regel ResearchGate, Academia und Mendeley präsent. Für dich sollte das einer der wichtigsten Faktoren sein, um hier eine Auswahl zu treffen. Zunächst geht es darum, wer aus meinem Bereich, zum Beispiel aus meiner Hochschule, ist in welchem Netzwerk aktiv. Ein weiterer Faktor könnte auch sein zu gucken: Wer ist in welchem Netzwerk aktiv, mit dem ich mich im Hinblick auf meine Zukunftsplanung vernetzen sollte. Wenn du zum Beispiel gern an eine US-amerikanische University wechseln möchtest, kannst du gezielt nach dem Netzwerk suchen, wo du am meisten Kontakte dahin knüpfen kannst. 

Mendeley


Im zweiten Schritt solltest du dir anschauen, wie viele deiner Ressourcen, also Zeit, Geld und Know-how du in dein Netzwerk geben möchtest. Geld können wir in diesem Fall durchaus vernachlässigen, aber Zeit und Know-how nicht. Denn die Wissenschaft lebt letzten Endes auch davon, dass Know-how geteilt wird, dass diskutiert wird, dass Wissen ausgetauscht und zusammen weiterentwickelt, weiter erforscht wird. 

Academia edu

Elfenbeinturm adé!

Wissenschaft ist per se nichts, was nur im stillen Kämmerlein stattfinden kann. Da helfen die Online-Netzwerke hervorragend, Zugriff auf Paper, Beiträge und Texte zu bekommen. Auf der einen Seite lassen sich frei zugängliche Texte finden, aber auch nach Beiträgen suchen, die noch keinen Review-Prozess durchlaufen haben. Wenn ihr irgendwas Interessantes gefunden habt, lassen sich Texte auch privat weitergeben, ohne Lizenzrechte zu verletzen. So könnt ihr natürlich auch direkt in den Austausch mit den Autoren gehen könnt, weil ihr über das digitale Netzwerk natürlich ganz andere Kontaktmöglichkeiten habt. 

Leichterer Zugang auch zum Prof.

So lässt sich nicht nur nach Beiträgen suchen, sondern auch nach Themen. Über Schlagwörter könnt ihr zum Beispiel bestimmten Themen folgen und immer informiert sein, wenn es etwas Neues gibt. Dabei sorgt die weltweite Vernetzung im Digitalen auch dafür, dass Grenzen aufgehoben werden. Wenn du als Studentin oder Student einer Hochschule an deiner Masterarbeit zu einem bestimmten Thema arbeitest, kannst du dich hierarchiefrei in Diskussionen einbringen, mitdiskutieren oder auch selbst Fragen stellen. 

Dieser Austausch bringt dir natürlich auch Sichtbarkeit als Wissenschaftler*in. Das heißt, du bringst dich sichtbar mit deinen wissenschaftlichen Fragen dein Netzwerk ein. Gleichzeitig ist das natürlich für dich auch die Möglichkeit zur Vernetzung. Wenn du dich zum Beispiel mit anderen Wissenschaftler*innen, auch auf verschiedensten Ebenen auseinander setzt, kannst du dich natürlich auch ganz anders vernetzen, als wenn man jetzt zum Beispiel auf einer Konferenz bist, bei der es viel schwerer ist, an einen Professor heranzutreten. Wenn du online schon mal mit jemand in Kontakt gekommen bist, kannst du natürlich immer sehr gut auch fragen: 

"Wie sieht es, denn aus, ich bin übrigens auf der Konferenz. Meinen Sie, Sie haben dann auch mal Zeit, um eine Tasse Kaffee mit mir zu trinken?"

Welches ist das richtige?

Doch kommen wir noch einmal zu der Frage zurück: Welches der vielen Social Networks ist für mich das richtige? Soll ich jetzt womöglich zwei bis drei füttern oder reicht eines? Dabei hilft noch einmal der Blick auf dein Ziel: Wenn du weißt, wo du hin möchtest, fällt die Auswahl leichter. 

Beantworte dir einfach die Frage: Wo sind die Menschen, mit denen ich vernetzt sein sollte? Wenn ResearchGate und Academia.edu in Deutschland stark sind, aber zum Beispiel auch in den USA, dann könnten das genau die richtigen Social Networks für dich als Wissenschaftler sein. Wenn du aber sagst, ich möchte gerne mehr in den asiatischen Raum und da gibt es Schwerpunkt auf ein anderes Netzwerk, dann würde ich mir tatsächlich strategisch überlegen, lieber den Fokus auf dieses Netzwerk zu legen. Gleichzeitig würde ich immer versuchen, den Kontakt zur eigenen Hochschule und beruflichem Umfeld zu halten. 

Von der Wissenschaft in die Wirtschaft

Zu Beginn kann es wichtig sein, den Fokus auf ein bis zwei Netzwerke zu legen, um nach einiger Zeit zu überprüfen, ob du etwas ändern solltest. Wenn du nach einiger Zeit feststellst, dass du doch nicht in der Wissenschaft bleiben möchtest, solltest du dich wieder damit beschäftigen, ob du dich noch an anderen Stellen vernetzen solltest. Wenn du nach einer Promotion gern in die Wirtschaft wechseln möchtest, solltest du dir eventuell ein LinkedIn-Profil zulegen und beginnen, es zu pflegen und dort ebenfalls ein Netzwerk aufzubauen. 

Hier bietet sich ein Profil bei ResearchGate an, da hier auch viele Mitarbeiter*innen aus Forschungs- und Entwicklungsabteilungen in Unternehmen sind. Solltest du Soziologin sein und dich fragen, ob du wirklich Chancen auf eine Professur hast, kann es für dich interessant sein auf der einen Seite in diesen wissenschaftlichen Social Network präsent zu sein und auf der anderen Seite gleichzeitig die Fühler über LinkedIn und Xing auszustrecken. Gerade im deutschsprachigen Raum halte ich Xing für das richtige Netzwerk. Aber schau einfach selbst, wo du Ansprechpartner aus den passenden Institutionen findest. Für die Recherche reicht hier das relativ kostengünstige Premium-Profil. Wenn du dich für die Konrad-Adenauer-Stiftung interessierst, dann suche doch einfach mal nach der KAS, deiner Hochschule und deinem Fach und schau mal, ob du jemanden angezeigt bekommst, der ebenfalls an deiner Hochschule studiert hat. Die Kontaktaufnahme ist dann wesentlich leichter, als wenn man so gar keinen Berührungspunkt hat. 

LinkedIn finde ich insofern eventuell zunehmend wichtiger, weil es halt wesentlich internationaler ist und du damit mehr Möglichkeiten hast, dich mit Mitarbeitern aus internationalen Unternehmen zu verknüpfen. Wobei die Suche bei LinkedIn nicht so komfortabel ist. 

Persönliches bei Facebook

Wenn wir auf die wissenschaftliche Karriere zurückgehen, kannst du auch Facebook als persönlich-berufliches Netzwerk nutzen. Außerdem ist es ein sehr internationales Social Network. Somit kannst du Facebook gut nutzen, um auf persönlich-beruflicher Ebene in Kontakt zu sein mit deinen potenziellen Kollegen oder auch für den Austausch. 

Was wir hier in Deutschland oft vergessen, für Wissenschaftler, auch für Diskussionen aber durchaus eine Rolle spielt, ist Twitter. In den USA twittern viele Wissenschaftler*innen und so kann ich oft von außen unter einem Hashtag vielen Konferenzen folgen. Deutsche Wissenschaftler*innen könnten es viel mehr nutzen! Schau dir dabei einfach mal die theoretische Physikerin Sabine Hossenfelder an, die Twitter-Nutzerin der ersten Stunde ist, was man an ihren Follower-Zahlen beeindruckend sehen kann. 

  • Tipp: Wer als deutscher Wissenschaftler twittert, ist so weit vorne, das allein da schon für viel Sichtbarkeit sorgt.  

Was man jetzt noch beachten muss: Alle Social Networks, egal wie gut und sinnvoll sie sind, sind immer fremde Gärten. Wenn du deine Inhalte sicher haben möchtest, solltest du überlegen, selbst einen Blog zu betreiben. Zumindest den eigenen Namen solltest du dir als Domain sichern und vielleicht ein rudimentäres Blog oder ein Website aufsetzen. Gerade sieht man es wieder bei Facebook: Es hat den Algorithmus geändert, es wird immer schwieriger Sichtbarkeit zu bekommen, wobei das zum Beispiel nicht für die Profile gilt. Aber wenn Facebook morgen beschließt, dass auf einmal die Firmenseiten die wichtigsten sind und die privaten Profile in der Versenkung verschwinden sollen, dann kann Facebook das theoretisch entscheiden. Dem bist du dann ausgeliefert. Hier hilft nur die eigene Website. 

Auch wenn ich jetzt so viel von Selbstmarketing gesprochen habe, gilt natürlich immer noch, dass hinter allem natürlich Inhalte stehen müssen. Sichtbarkeit und Vernetzung kann nur dafür sorgen, dass diese Inhalte von den richtigen Menschen wahrgenommen werden. Gleichzeitig bleibt das Schöne bei der Wissenschaft, dass du Dinge und Wissen teilst und dabei im Austausch mit anderen Menschen bist. 

Denke einfach immer daran: Dein Netzwerk muss da sein, wenn du es brauchst. 


Bild: MisterQM/photocase.de

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