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Ich schenk dir was – Warum ich nicht immer mit Geld bezahlt werde

Ich schenk dir was – Warum ich nicht immer mit Geld bezahlt werde

„Ute, ich weiß nicht so genau, welche Plattform für mich die richtige ist… Kannst du mir einen Rat geben?“ – Vielleicht ist dir das auch schon passiert: Da fragt eine Freundin, ein Bekannter oder eine Netzwerkpartner nach deiner Expertise. Ist ja auch naheliegend, denn du kennst dich mit dem Thema aus. Ich teile gern mein Wissen, auf Social Media, auf meinem Blog, in meinen Newslettern und auch im persönlichen Gespräch. Aber wo ist die Grenze zwischen einer freundlichen Frage nach Rat und dem Erschleichen von Leistungen? In diesem Artikel gebe ich dir Anhaltspunkte, wie viel du kostenlos geben kannst und wann es Zeit für eine Rechnung ist.

Gerade Frauen neigen dazu, anderen auszuhelfen. Mit guten Ratschlägen, kleinen Tipps, manchmal auch mit Beratungen. Insbesondere in Frauennetzwerken gibt es eine rege Tauschkultur, denn Frauen geben gern – und viel. Oft geben sie fachlichen Rat oder sogar Dienstleistungen, mit denen sie eigentlich ihren Lebensunterhalt verdienen.


Über das Prinzip kostenlos, Hilfe und Wertschätzung

„Das geht ja wohl gar nicht!“, magst du jetzt denken, dass Frauen ihre Dienstleistungen einfach verschenken. Ich denke da genauso wie du: Frauen sollten sich genauso wie Männer ihres Wissens und ihrer Arbeitsleistung bewusst sein – und auch einen Gegenwert dafür erhalten.

Doch soll ich deswegen jeden kleinen Tipp abrechnen? Natürlich nicht. Ein kleiner Hinweis, eine Antwort auf die Frage einer Freundin - die kannst du geben, wenn freundlich gefragt wurde. In Gruppen auf Social Media verlangen die Menschen ja auch kein Honorar, wenn sie die Frage eines anderen beantworten. Und letztlich gibt es Wissen und Information ja auch frei verfügbar im Netz. In allen möglichen Formaten und Themen.

Du kannst anderen helfen, aber achte darauf, dass es nicht ausgenutzt wird, sondern dass du Menschen hilfst, die deine Hilfe wertschätzen.


Wenn die Fragen überhandnehmen: Sag Nein!

Es gibt aber auch Menschen, die Hilfsbereitschaft ausnutzen. Und das solltest du dir nicht gefallen lassen.

Ein Beispiel:

Da fragt eine Freundin, ob du ihr einen Provider für ihre Unternehmenswebsite empfehlen kannst. Du fragst nach, was genau sie braucht und gibst ihr die nötigen Informationen, damit sie eine gute Entscheidung treffen kann. Alles super.

Schwierig wird es aber, wenn die Freundin dann noch wissen möchte, wie man denn nun die Website am besten aufsetzt. Da könntest du doch mal eben schnell draufschauen und ihr den Webspace und die Datenbanken einrichten… Sie meldet sich mit den verschiedensten Anschluss-Fragen bei dir.

Das solltest du natürlich nicht tolerieren. Hier hilft nur, dass du ganz klar kommunizierst, was deine Beratung und Unterstützung kosten. Du hilfst gern, aber eben nicht kostenlos. Das ist manchmal gar nicht so einfach, vor allem wenn es wirklich Freunde oder gute Bekannte sind, aber du selbst solltest dir das wert sein und dich nicht ausnutzen lassen.


Warum ich meine Zeit manchmal verschenke

Auch ich bekomme öfters Fragen aus dem Netzwerk und ich habe mich entschlossen, meine Zeit ganz bewusst zu verschenken.

Ich schenke dir eine Stunde Beratung!

Wenn ich ein solches Geschenk mache, dann ist das freiwillig und es hat einen ganz klaren Rahmen. Ich erwarte dann keine Gegenleistung, noch nicht einmal ein Dankeschön. Es ist eine ganz bewusste Entscheidung und ich bin Herrin meiner Handlung. Und natürlich gilt dabei: Wer im Anschluss mehr möchte, der muss bezahlen!

Ich bin allerdings nicht ganz so selbstlos, wie es sich vielleicht anhört. Ich schenke diese kostenlose Beratung nicht JEDEM. Nur sehr besondere Menschen beschenke ich. Menschen, an die ich glaube. Menschen, die auch oft für andere da sind oder natürlich Menschen, die mir sehr nahe sind. Vielleicht auch Menschen, die besonders bedürftig oder in einer Notlage sind. Wer weiß, wofür das mal gut sein kann?


Was bekommst du, wenn du deine Zeit verschenkst?

Selbst wenn ich in diesen Fällen nicht mit Geld bezahlt werde, glaube ich, dass mein Geben irgendwie zu mir zurückkommt. Dass ich auf anderem Wege etwas bekomme oder schon bekommen habe. Denn so viel Unterstützung, wie ich bereits über mein Netzwerk erhalten habe – da muss etwas dran sein!

Der Lohn oder die Bezahlung einer solchen Beratung kann auf ganz unterschiedlichen Wegen zu uns zurückkommen: Du könntest in Einzelfällen auch nach einem Testimonial fragen oder einer Bestätigung deiner Kenntnisse auf LinkedIn. Vielleicht möchte die beschenkte Person dich auch weiterempfehlen?

Wie ich schon sagte: Ich selbst erwarte nichts nach diesen Beratungen, habe aber das Gefühl, dass es sich auf irgendeinem Weg auszahlt.


Das solltest du beachten, wenn du deine Zeit verschenkst:

Der feste Rahmen „ich schenke dir eine Stunde Beratung“ hilft dir dabei, ganz klar abzustecken, was du gibst und was nicht. Denn wenn die Stunde um ist, ist deine kostenlose Leistung erbracht und jetzt kann neu verhandelt werden.

Du tappst aber eben nicht in die Falle wie in meinem Bespiel, dass einfach immer mehr gefragt und gefordert wird.

Hier sind meine Tipps fürs Geben, ohne sich ausnutzen zu lassen:

  • Sei dir deines Werts bewusst: Jede Arbeitsstunde hat einen Wert.
  • Gib deine Geschenke freiwillig, also aus freiem Willen heraus und nicht, weil dich jemand dazu drängt.
  • Mach dem*der Beschenkten klar, dass diese Leistung normalerweise etwas kosten würde.
  • Verschenke eine konkrete Leistung (fester Rahmen) und formuliere das klar und eindeutig.
  • Kommuniziere offen: Wenn die*der Beschenkte mehr möchte, wird es kostenpflichtig.
  • Empfiehl andere Kontakte aus deinem Netzwerk: Wenn ein Auftrag nicht zu dir passt, verweise einfach auf andere.


Hast du eine klare Linie, bis zu der du dein Wissen und deinen Rat verschenkst? Oder machst du bei einer Frage aus deinem Netzwerk direkt ein Angebot? Kommentiere gern direkt hier im Blog, denn damit können andere deine Gedanken später als vertiefenden Content lesen!


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3 Kommentare

  • Der Artikel ist zwar schon älter, dennoch sehr lesenswert. Das regt vielleicht den ein oder anderen einmal zum Nachdenken an.
  • Danke für die klaren Worte, liebe Ute ;o)) Ich bemühe mich, das alles genau so zu handhaben. Aber es gelingt mir leider nicht immer und dann bleiben ungute Gefühle zurück. Das ist eigentlich ziemlich schade, denn im Kern ist das Teilen von Wissen etwas ganz Wunderbares! Aber dazu gehört eben auch, dass der Netzwerk-Gedanke von allen Beteiligten verinnerlicht wurde ...

    Liebe Grüße,
    Christa
  • Liebe Christa, danke für deinen Gedanken zu meinem Artikel. Ja, ich weiß, es ist eben nicht so leicht, da eine gute, gesunde Umgangsweise zu finden. Mir hat es irgendwann sehr geholfen, eben eine bewusste Entscheidung hineinzubringen und das auch genau so zu formulieren.
    Herzliche Grüße Ute

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