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Ute Blindert

Das ist mein Beruf! Auch wenn es mir Spaß macht;-)

von Ute Blindert 02. September 2014
Das ist mein Beruf! Auch wenn es mir Spaß macht;-)

Vor ein paar Tagen erreichte mich die charmante Anfrage eines Workshop-Besuchers. Er fragte, ob wir uns denn nicht mal zu einem Kaffee treffen könnten. Er würde sich gern mal eine halbe Stunde lang mit mir über Karriere und Motivation austauschen. Selbstverständlich würde er auch die Kosten für den Kaffee übernehmen.

Zunächst einmal freue ich mich über positives Feedback und fühle mich auch geschmeichelt. Zeigt es doch, dass ich meine Arbeit gut mache. Grundsätzlich bin ich auch immer offen für einen Austausch und liebe ja auch zwangloses Netzwerken bei einer Tasse Kaffee oder einem gemütlichen Mittagessen. Und, ja, man weiß schließlich nie, was sich aus solchen Gesprächen ergibt.

Gleichzeitig bin ich erstaunt über solche Anfragen.

Ich stelle mir dann folgende Fragen:

  • Mache ich den Eindruck, dass mein Angebot ehrenamtlich ist und entsprechend kostenfrei verteilt wird?
  • Wirkt es so, als hätte ich einen Sponsor im Hintergrund, so dass ich kein Honorar für meine Beratung nehmen muss?
  • Sollte ich meine Expertise und meine Ideen frei verteilen, weil es mir so viel Spaß macht?

Nun ist es grundsätzlich so, dass ich sehr gern gebe. Manchmal verschenke ich sogar etwas, wie ich hier gebloggt habe.

Man kann mich zum Beispiel immer …

  • auf Karrieremessen und anderen Veranstaltungen ansprechen, wenn ich eh vor Ort bin. Dann denke ich gern mal drei Takte nach und habe meistens auch gute Ideen und Vorschläge für all die Fragen der Besucher,
  • auf einen Kaffee einladen (oder ein Wässerchen), wenn ich auf einer Veranstaltung bin und zu den eigenen Wunschthemen ausquetschen,
  • anrufen und fragen, ob ich mal fünf Minuten Zeit hätte. Wenn es mir dann nicht passt, kann ich das ja immer noch sagen. Und wenn aus den fünf Minuten eine halbe Stunde werden. Dann muss ich selbst klar stellen, dass es nun um eine Beratung geht. Die natürlich mit einem Honorar entlohnt wird.

Tatsache ist: Ich habe einen wunderbaren Beruf, der mir sehr viel Spaß macht. Ich verdiene damit mein Geld. Ich lebe davon. Nicht nur ich, sondern auch meine Familie.

Das heißt, ich muss meine Arbeitszeit so aufteilen, dass ich in dieser Zeit auch genug verdiene. Da ich Unternehmerin bin, bezahlt mich niemand, wenn ich Kaffee trinke oder auf eine Messe gehe oder krank bin. Ich muss für mich klären, wie ich die Zeit, die ich nicht direkt von meinen Auftraggebern bezahlt bekomme, investiere.

Ein kostenloses Beratungsgespräch mit einer Kaffee-Einladung gehört sicher nicht dazu! Ich stelle mir gerade vor, wie ich dem Notfall-Installateur einen Kaffee anbiete und mich bei ihm für den netten Austausch des kaputten Wasserrohrs bedanke.

Was denken Sie darüber?

Bild: knallgrün/photocase.de

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5 Kommentare

  • Hi Ute,
    das hast du gut beschrieben. Ich glaube manchmal machen sich die Menschen einfach nicht klar, dass man damit Geld verdient bzw. meinen, man verdiene so viel, dass man so eine Beratung doch mal schnell einschieben könnte :) Die eigene Wertschätzung ist da entscheident und natürlich auch die Fähigkeit Grenzen zu setzten :) Allerdings kann auch ein Gespräch beim Kaffee mit potentiellen Partnern auch die Zeit wert sein :) Das muss man immerwieder abwägen :)

    Was ich mir angewöhnt habe.... Wenn ich innerlich sage "das schaff ich schon noch irgendwie..." dann stopp ich mich und frage mich möchte ich das wirklich? Ist es mir das wert noch mehr Stress zu haben? Was würde mir das Gespräch geben? Ist mir das die Zeit wert? oder gibt es Dinge, die ich stattdessen besser machen könnte und sei es nur Zeit für mich zu haben?
    An manchen Tagen klappt das super, an anderen weniger, aber dafür lernen wir ja alle immer dazu :)
    Alles Liebe Janina
  • Liebe Ute, das erlebe ich in vielfältiger Weise, als Fotograf, auch. Eigene Wertschätzung ist der Schlüssel zu meinem Frieden damit :-). Seit ich mir selber bewusst Wertschätzung für mein Wirken schenke ziehe ich weniger Menschen an, denen diese für meine Arbeit fehlt. Wenn dann doch mal wieder einer da ist, der es plump versucht, hilft mir auch ein "f... it" um die Perspektive zu verrücken. Ich übe ...... :-).
  • Liebe Ute,

    das klingt nur allzu vertraut. Meist kommen die Anfragen von Menschen, die selbst angestellt sind und sich gar keine Gedanken darüber machen, dass wir in der Zeit, in der wir uns mit ihnen für eine Tasse Kaffee "über Karriere und Motivation austauschen" kein Geld verdienen. Es kommt dann doch sehr auf die Person, die Situation und meine Stimmung an, ob ich mich darauf einlasse. Frage dann aber auch schon mal nach, was sich derjenige erwartet. Um sicherzugehen, dass es auch für mich ein erholsamer Schwatz und keine Beratung ist.
    Noch viel mehr ärgern mich die Anfragen für kostenlose Vorträge oder Workshops bei kommerziellen Veranstaltungen wie Messen oder Tagungen. Weil man sich ja so schön präsentieren kann und es einem doch bestimmt auch Spaß macht ... Als sei Honorar nur legitim, wenn es Schmerzensgeld ist.
  • Genau darum geht es. Und darum war ich wohl auch so empört. Ich habe viel gelernt von meiner Coach, die sagte: "Manchmal bekommst du kein Geld als Honorar. Aber du machst nichts mehr umsonst!" Das habe ich mir zu Herzen genommen.
  • Fragst du nicht vorab nach der Motivation und dem Inhalt fürs Kaffeekränzchen? Muss es wirklich ein persönliches Treffen sein? Sind die Inhalte so wichtig? Ich lasse meine Anfrager eine Email mit ihrem Anliegen schreiben (was eh schon zwingt, auf den Punkt zu kommen) - verzichte dadurch aber ein bisschen auf die Eitelkeit, zu sehen und gesehen zu werden. Spart aber Zeit. Viel Zeit. Meine Antwort-Mail kann deshalb auch Tiefgang haben, aber eben ohne Smalltalk und Vertiefung von einer Frage in die nächste. Bei weiteren Fragen verweise ich ihn auf eines meiner Bücher. Die sind für ihn billiger aber teils auch ausführlicher als eine halbe Stunde Termin.

Was denkst du?

2016 UTE BLINDERT, KÖLN.

Ute Blindert

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