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Warum ich BarCamps so liebe!

Warum ich BarCamps so liebe!

Schon mal von einem BarCamp gehört? Während die einen jetzt "Na klar!" rufen, fragen andere: "Hat das was mit Campen zu tun?" Und ja, sie haben sogar teilweise recht: Denn in den Anfangstagen in Palo Alto in Kalifornien campten die Besucher der ersten BarCamps tatsächlich bei den Treffen, die im Umfeld von Tim O´Reilly entstanden. 

Bei einem BarCamp handelt es sich um eine Konferenz, bei der das Programm von den Teilnehmenden selbst erstellt wird. Damit hat es auf der einen Seite etwas Anarchisches, wird aber gleichzeitig von einer klaren Struktur geprägt. 

Es gibt BarCamps zu allen möglichen Themen und von ganz unterschiedlichen Veranstaltern. Viele werden ehrenamtlich organisiert, wie zum Beispiel das BarCamp Bonn im Juni 2019. Diese sind sehr kostengünstig und für alle Interessenten offen. Daneben gibt es auch geschlossene BarCamps wie zum Beispiel das von mir mit gestaltete und moderierte VerkehrsCamp für Kommunikatoren in Verkehrsunternehmen. 

Wie ein BarCamp genau aufgebaut ist und was sie dir und deinem Unternehmen bringen können, hörst du in dieser Episode: 

Shownotes:


Artikel:

Heute soll es also um BarCamps gehen und warum ich sie so liebe. Wenn du BarCamps noch nicht kennst und dich jetzt fragst: Was ist das denn? Hat das etwas mit Bar und Cocktails zu tun? Oder vielleicht mit den seltsamen Urlauben, die man auf einer Isomatte im Zelt verbringt? 

Nun, die Bekanntheit von BarCamps variiert stark, je nachdem, in welchem Umfeld du dich bewegst. Bei meinen Kolleg*innen sind BarCamps fast schon ein alter Hut und gut bekannt, aber in vielen Unternehmen, Institutionen oder Organisationen taucht schon mal öfter die Frage auf: Was ist das? 

Also möchte ich einmal kurz erklären, was ein BarCamp ist, wie es aufgebaut ist. Wann es ein gutes Werkzeug für ein Unternehmen ist, aber auch, wo die Grenzen liegen könnten. Da ich mittlerweile seit 2013 BarCamps mit konzipiere, betreue und moderiere, konnte ich eine Reihe von Erfahrungen sammeln, die ich gern weitergebe. So waren unter meinen BarCamps ganz kleine mit nur zehn Teilnehmerinnen und große mit weit über 100 Teilnehmer*innen. 

Erfunden wurden BarCamps im Jahr 2005 in Kalifornien, als Tim O´Reilly Leute zu einem Treffen einlud und sie dabei in seinem Garten campten. Bei dieser Art von Konferenz standen allerdings die Themen noch nicht statt, sondern wurden von den Teilnehmer*innen selbst vorgeschlagen und dann auch vorgetragen. Das Camp kommt also tatsächlich vom "Camp". Der Begriff "Bar" stammt aus der Informatik und stellt einen Platzhalter dar - hier quasi für all die Themen, die zu Beginn eben noch nicht feststehen. 

Heute wird der Namensteil "Bar" denn auch oft ersetzt durch den Namen des BarCamps, wo wie zum Beispiel beim VerkehrsCamp, dem CastleCamp oder dem TWINcamp. Mttlerweile gibt es viele unterschiedliche Formate und Themen, zu denen BarCamps stattfinden. So werden viele BarCamps mittlerweile auch nicht mehr nur ehrenamtlich organisiert, womit sie oft sehr kostengünstig angeboten werden können, sondern teilweise auch als wesentlich teurere Veranstaltungen. Da kann man auch schon mal mit einem Kostenbeitrag von 200, 300 oder mehr Euro rechnen, was in der Szene durchaus kritisiert wird. 

So funktioniert es: 

Wenn du dich jetzt fragst, wie ein BarCamp funktioniert, lässt sich zunächst verkürzt sagen: Es ist ein offenes Konferenzformat mit strengen Regeln zur Gestaltung und zum Ablauf. Wobei es immer auch in deiner Hand liegt, die Regeln anders anzuwenden oder neue Regeln einzuführen. 

Der Ablauf sieht folgendermaßen aus: 

  • Ankommen und Begrüßung der Teilnehmer*innen
  • Erklärung zum Ablauf und den Regeln des BarCamps
  • Vorstellungsrunde mit 3 Hashtags
  • Sessionplanung
  • Sessions 
  • Schlussrunde mit Feedback

Die BarCamp-Regeln

Hier einmal kurz die BarCamp-Regeln, wobei es hier durchaus unterschiedliche Regeln gibt: 

  1. Alle sprechen über das BarCamp.
  2. Stelle dich mit deinem Namen und 3 #hashtags vor.
  3. Jeder ist eingeladen, sich zu beteiligen - mit einem Sessionvorschlag, der Moderation einer Session oder auch mit deinen Gedanken.
  4. Es gibt so viele zeitgleiche Sessions, wie es Räume gibt.
  5. Keine vorher festgelegten Sessions, keine Zuschauer, nur Teilnehmerinnen.
  6. Sessions dauern maximal 45 Minuten (plus 15 Minuten Pause).
  7. Wenn du das erste Mal bei einem BarCamp bist, musst du eine Session einreichen.
  8. Für die Zeit des BarCamps gilt das temporäre "Du".

Die Vorstellungsrunde

In der Vorstellungsrunde stellt sich jede Person mit ihrem Namen und 3 Hashtags vor. Damit gestaltet sich die Vorstellungsrunde auch dann relativ kurz, wenn 200 oder mehr Menschen vor Ort sind. Ansonsten kann so eine Vorstellungsrunde ja auch schon einmal seeehr lange dauern. 

Wenn ich mich vorstelle, mache ich das in der Regel so: 

Mein Name ist Ute Blindert, mein Unternehmen heißt Blindert Beratung. Meine 3 Hashtags sind: #Netzwerken #neverlunchalone und #rollwende! 

So kannst du dich innerhalb von 10 Sekunden vorstellen. Wenn du dir das jetzt mal 100 oder auch 200 oder 300 vorstellst, liegt das immer noch im Rahmen. 

Viele Leute sind unsicher, was sie als Hashtags nehmen sollen. Drei Wörter oder auch kurze Begriffe mit zwei bis drei Wörtern sind ja nicht wirklich viel. 

Mein Tipp ist dabei immer: Verwende ein bis zwei Hashtags darauf, was du beruflich machst, vielleicht am besten auf eine humorvolle, auf jeden Fall aber auf eine zugespitzte Art und Weise. Bei dem dritten Hashtag solltest du immer etwas nehmen, was so ein bisschen eckig und kantig ist. Ich verwende hier meistens die #rollwende, weil dieser Hashtag etwas über meine Herausforderungen bei meinem Lieblingssport Schwimmen erzählt. Ich erinnere mich zum Beispiel noch an Hashtags wie #strickliesel,  #ohnekaffeegeheichnichtausdemhaus oder #bergliebe. 

Keine Zuschauer*innen, nur Teilnehmende

Somit sind BarCamp-Besucher*innen angehalten, sich zu beteiligen. Zum Beispiel mit einem Sessionvorschlag, der Moderation einer Session oder auch mit konstruktiver Beteiligung. Wer sich schwerer damit tut, direkt aktiv eine Session anzubieten, kann sich dann eben bei Diskussionen einbringen oder am Flipchart mitschreiben etc. 

Zeitgleiche Sessions und das temporäre "Du"

Es gibt so viele zeitgleiche Sessions wie es Räume gibt und es gilt das temporäre Du. Besonders das temporäre "Du" liebe ich sehr, da es im geschützten Rahmens oft zu persönlicheren Gesprächen kommt - und das Du auch nach Ende des BarCamps beibehalten wird. 

Allerdings muss ich sagen, dass es manchen Unternehmen und Institutionen Vorbehalte gegen das "Du" gibt. Meine Herangehensweise ist dann immer so, dass ich es als Regel vorstelle und alle dazu einlade. Wenn du Leute das dann untereinander anders handhaben, passt das auch und ich forciere die Regel als Moderatorin nicht. 

45 Minuten Session plus 15 Minuten Pause

In der Regel dauert eine Session 45 Minuten plus 15 Minuten Pause, das heißt, Zeiteinheiten beim BarCamp dauern eine Stunde. Dabei gibt es immer so viele Sessions wie es Räume und Zeiteinheiten gibt. Wenn 3 Räume zur Verfügung stehen und 3 Zeitslots, kann es insgesamt 9 Sessions bei diesem BarCamp geben. Bei der Länge der Pause lohnt es sich zu überlegen, ob die Pausen auch länger sein können. So machen wir beim VerkehrsCamp jeweils 30 Minuten Pause, einfach, weil die Teilnehmer*innen sicher immer so viel zu erzählen haben. Oder, was auch oft vorkommt: Die Sessions dauern länger, und bleibt nicht mehr genug Raum für eine Pause. Auch als strenge Moderatorin mit Assistenz ist es manchmal schwer, die Teilnehmenden aus den Sessions und in die nächste zu bringen...


Gemeinsame Entscheidung über das Programm

Die Teilnehmerinnen stimmen gemeinsam über das Programm ab. Das läuft in der Regel so ab, dass es eine Vorschlagsrunde für Sessions gibt, in der die möglichen Sessions vorgestellt werden. Dabei schreibt jeder seinen Sessionvorschlag mit Namen auf einen Zettel, vielleicht noch kurz zwei, drei Begriffe zur Erläuterung dazu. 

Per Handzeichen oder Klebepunkte wird dann die Zustimmung zu den Sessions ermittelt. Wenn sich bei manchen Sessions nur wenige Leute melden, kann man diese auch immer noch auf Board an der Seite pinnen, so dass sich manche Menschen auch informell in kleiner Runde zusammenfinden können. 

Nun geht es an die Sessionplanung - und die kann durchaus zu einer Herausforderung werden. So muss man darauf achten, dass ähnliche Themen nicht im gleichen Zeitslot landen und auch sehr beliebte Sessions sollten nicht zeitgleich stattfinden. 

Eine wichtige Regel dabei ist: Es wird nicht über den Sessionplan diskutiert. Und: Einen Tod musst du immer sterben! Wenn du bei der einen Session bist, kannst du nicht gleichzeitig bei einer anderen sein! 

Wobei es vollkommen in Ordnung ist, aus einer Session hinauszugehen und zu einer anderen zu wechseln. Oder auch mal eine Stunde Pause zu machen. 

Und wenn es keine Sessionvorschläge gibt? 

Bis jetzt ist das noch nie vorgekommen, aber diese Sorge von Veranstaltern kenne ich gut. Oft ist es sogar umgekehrt und es gibt viel mehr Sessions als es Slots gibt. Da hilft es, sich immer wieder zu sagen: So wie es die Teilnehmer*innen wünschen, ist es gut. Dann ist es eben so. In der Regel ergibt es sich aber immer, dass sich am Ende alles gut ineinander fügt. So kann es auch reichen, wenn es bei einem (kleineren) BarCamp nur eine Session parallel gibt und sich diejenigen, die diese Session nicht interessiert, einfach in kleinen Gruppen miteinander sprechen. 

Was man aber durchaus machen kann, ist zu versuchen, im Vorfeld Leute anzusprechen und zu ermutigen, auf jeden Fall eine Session einzureichen. Manche sind einfach unsicher, weil sie befürchten, einen perfekten Vortrag halten zu müssen. So kann man die Teilnehmer*innen vorher darüber informieren, was als Vorschlag eingereicht werden kann und das entsprechend begleiten. 

Welche Session kann ich überhaupt einreichen? 

Beim Thema bist durchaus frei, es sei denn, dein BarCamp steht unter einem bestimmten Motto. Es muss also thematisch passen, denn zu einem KommunikationsCamp passt keine Session zu nachhaltiger Mobilität. Als Methode kannst du ganz unterschiedliche wählen. Ein Vortrag passt immer, aber wir hatten zum Beispiel beim VerkehrsCamp mal einen Workshop zu "Design Thinking" und haben fleißig mit Lego und anderen Materialien gebastelt. Du kannst aber auch ein Training, einen Spaziergang oder Atemübungen anbieten.

Das einzige, was dagegen spricht, dass deine Session stattfindet, ist das Votum der Teilnehmenden. Daher solltest du dir zumindest einen guten Titel für deine Session überlegen, der schnell und griffig erklärt, was du anbieten möchtest. 

Deine Session für dein Marketing nutzen 

Natürlich kannst du ein BarCamp und deine Session auch für dein Marketing nutzen. Ich zitiere hier wieder einmal Dr. Kerstin Hoffmann vom PR-Doktor

Teile dein Wissen, um dein Können zu verkaufen!

Richtig, in einer Session teilst du dein Wissen. Bitte missverstehe mich nicht: Es ist keine Verkaufsveranstaltung! Am Ende oder zu Beginn kannst du auf dein Unternehmen oder deine Dienstleistung hinweisen, aber bei allem, was auf plumpes Verkaufen hinausläuft, reagieren BarCamp-Teilnehmer*innen allergisch. 

Oft sind die Leute dankbar, wenn du erklärst, wie etwas funktioniert oder welche Methoden du empfiehlst. Manchmal wollen sie direkt mit dir weiterarbeiten und du kannst direkt anbieten, in Kontakt zu bleiben. 

Und wie geht es weiter? 

Wie zu Beginn gesagt, gibt es mittlerweile viele unterschiedliche BarCamps: Es gibt eine große Vielfalt an Themen. Neben den ehrenamtlich organisierten, gibt es zahlreiche kostenpflichtige Formate, die dann statt 10 oder 30 Euro auch mal 300 oder 500 Euro kosten, darunter auch Mischformate zwischen klassischer Konferenz und BarCamp. Für Fach-BarCamps finde ich das eine gute Mischung, da sich die Teilnehmer*innen oft auch Experten-Input wünschen. 

Im Gegensatz zu den Verfechtern der "reinen Lehre" finde ich es gut, wenn sich solche Ideen weiterentwickeln und auch darauf geschaut wird, was Menschen oder Organisationen in unterschiedlichen Zusammenhängen brauchen. 

Was mir allerdings wichtig ist, ist dieser urdemokratische Ansatz. Denn sich an das Format eines BarCamps heranzuwagen, bedeutet auch, darauf zu vertrauen, dass die Menschen schon wissen, über was sie sprechen, lernen, sich austauschen wollen. 

Der Konferenzteil lässt sich kuratieren, aber bei einem BarCamp entscheiden immer die Teilnehmer*innen, welche Themen zur Sprache kommen. Das muss man als Veranstalter aushalten - und letzten Endes darauf vertrauen, dass es so schon passt. Das erfordert Mut - wird aber meist auch von einer lockeren, energiegeladenen Stimmung belohnt. 

Dokumentation der Sessions

Sketchnote von Steffi Kowalski vom #BeuteBarCamp. Danke für die Illustration!

Irgendwie bleibt beim BarCamp immer auch die Frage: Was bleibt? Wie können wir die Erkenntnisse aus den Sessions für die Nachwelt aufbereiten. In vielen BarCamps wird getwittert, gebloggt und fotografiert, was das Zeug hält. Auch Sketchnotes sind eine wunderbare Methode, um Inhalte festzuhalten. Für Veranstalter, für die eine Dokumentation wichtig ist, bietet es sich an, sich Gedanken darüber zu machen: Zum Beispiel mit vorbereiteten Flipcharts oder Protokollbögen oder auch professionellen Graphic Recordings. 

Wie du sicher an diesem Text und dem Podcast merken kannst, bin ich ein großer Fan von BarCamps. Wenn du noch Fragen oder Anmerkungen dazu hast, lass es mich gern wissen

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© 2018 Ute Blindert, Köln
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