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Ute Blindert

Netzwerken, aber strategisch!

von Ute Blindert 18. Juni 2014
Netzwerken, aber strategisch!

Das Thema Netzwerken treibt mich ja schon länger um. Vor allem „Strategisches Netzwerken“ halte ich für ein wichtiges Karrieretool. Denn gute Arbeit bringt uns nicht unbedingt voran, sondern vor allem auch das Sprechen darüber – und zwar bei den richtigen Leuten.

Bild: pphoto76/photocase.com

Viele – vor allem Frauen – stören sich an dem Begriff Strategisch. Vielleicht, weil es ein Begriff aus der Militärsprache ist? Dabei schadet eine Strategie nur dem, der keine hat. Mir ging das zu Anfang meines Berufslebens auch so. Ich habe einfach mit großer Begeisterung bei meinem Arbeitgeber, einem mittelständischen Verlag, gearbeitet, ohne mir darüber Gedanken zu machen, wo ich denn in fünf Jahren stehen möchte. Dann hätte ich erkennen können, dass ein Aufstieg in diesem Unternehmen nicht möglich war, dafür war es zu klein und von einer machtbewussten Geschäftsführerin blockiert. Die natürlich kein Interesse daran hatte, gute Leute hoch und weiterkommen zu lassen.

Strategisch netzwerken also, aber wie?

Zunächst einmal geht es darum, sich über die eigenen Ziele und Wünsche klar zu werden. So kristallisieren sich Jobs, Unternehmen und Personen heraus, die für einen wichtig werden können. Mit diesen sollten Sie versuchen, in Kontakt zu kommen. Manchmal funktioniert das ganz leicht, in dem Sie zum Beispiel über ein Fachthema an diese Person herankommen. Hierbei empfiehlt sich oft der persönliche Kontakt, zum Beispiel auf einer Konferenz. Weniger empfiehlt es sich, Personen auf Geschäftsführungsebene über soziale Netzwerke anzusprechen, wenn Sie sich nicht auf einer ähnlichen Ebene bewegen.

Ausnahme: Diese nimmt aktiv an Diskussionen online teil. Dann ist sie meistens aufgeschlossen.

Eine grundsätzlich positive Einstellung zum Vernetzen hilft, denn aus den eigenen Kontakten ergeben sich meist die nächsten Kontakte zu den dann besonders wichtigen Personen. So kann man zum Beispiel vor Konferenzen die Teilnehmerliste durchgehen und direkt schauen, wen man bereits kennt. Hier würde ich dann vorab Kontakt aufnehmen und mal nachfragen, wer denn sonst noch so vom Unternehmen mitkommt. So wissen Sie schon über potenzielle Gesprächspartner Bescheid.

  • Kontakte verwalten.

    Xing oder auch LinkedIn (oder das eigene Adressverwaltungsprogramm) würde ich benutzen, um die Kontakte in Listen einzuteilen, nach a, b und c, je nach Wichtigkeit für Sie. A-Kontakte sollten natürlich anders gepflegt werden als c-Kontakte. A-Kontakte bekommen zum Beispiel Geburtstagswünsche, sie tauschen sich ab und zu aus oder geben Empfehlungen weiter.

  • Erst geben, dann nehmen.

    Netzwerken bedeutet Arbeit. Es ist eine Investition in die Zukunft, bei der man erst einmal etwas zur Verfügung stellt. Darüber sollte man sich im Klaren sein. Um einer Ausbeutung vorzubeugen, helfen klare Ansagen und eine feste Haltung.

  • Gelegenheiten schaffen.

    Die Maxime „Never lunch alone“ hilft, um sich regelmäßig mit Menschen bei einem Mittagessen auszutauschen. Sich bei Konferenzen mit immer neuen Leuten zu unterhalten, erweitert das Netzwerk. Auch im privaten Umfeld kann man sich nach potenziellen Kontakten umschauen.

  • Verbindlich sein.

    Wenn Sie etwas zusagen, dann sollte Sie sich auch daran halten. Gerade Frauen machen oft den Fehler, dass sie zu viel zusagen. Meist halten sie dann sogar diese Zusagen, vergessen darüber aber den eigentlichen Job. Hier hilft die Strategie: Bringt mir das was? Nimmt diese Person nur oder ist sie auch bereit zu geben?

  • Netzwerk-Controlling.

    Wer ein eigenes Unternehmen führt, kennt das. Zahlen sind wichtig, und Unternehmen sollten ihre Zahlen im Griff haben. Genauso sollte es bei der Netzwerk-Strategie sein. Überprüfen Sie regelmäßig: Wie viel setze ich für mein Netzwerk ein? Geld, Zeit, Know-how? Welcher Wert steht dahinter? Was hat mir mein Engagement gebracht? Neue Kunden, Sichtbarkeit, Pressekontakte, Empfehlungen? Aber auch: Spaß, Know-how, das gute Gefühl, anderen Menschen zu helfen, etwas Neues aufzubauen. Sie sehen, es geht hier nicht nur um Geld, Jobs und Kunden. Wenn Sie sagen, ein neuer Job ist mir nicht wichtig, ist das okay so. Es ist meistens nur ganz gut, sich dessen bewusst zu sein. So lässt sich nämlich der Gefahr des Ausbrennens vorbeugen.

Wenn Sie sich jetzt fragen, ob ich immer so strategisch vorgehe, muss ich Ihnen verraten: Nein. Ich bin einfach viel zu neugierig auf Menschen und ihre Geschichten. Deshalb treffe ich mich oft einfach so mit Gesprächspartnern und spreche über alles mögliche. Und stelle dabei immer fest, dass sich aus diesen zufälligen Begegnungen richtig gute Gelegenheiten ergeben. Also heißt der letzte Tipp:

  • Lassen Sie manchmal Strategie Strategie sein.

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