Die Traute haben, sich unbeliebt zu machen

Die Traute haben, sich unbeliebt zu machen

Vielleicht glaubt es mir heute kaum noch jemand, aber ich war früher schüchtern. Eigentlich bin ich es immer noch. Wenn ich auf einer Veranstaltung bin, bei der ich niemanden kenne und wo mir Andockpunkte fehlen, geht es mir so wie vielen meiner Kund*innen: Mir fehlt die Traute, auf Menschen zuzugehen, ein Gespräch zu beginnen, vielleicht sogar einen Kontakt zu knüpfen. 

Zum Glück habe ich mittlerweile gelernt, dass es nicht weh tut, wenn nicht sofort alles gelingt. Schon ein kleiner Schritt bedeutet ja mehr als zu Beginn, denn da gab es ja noch keinen. 

Beim Schreiben, Sprechen und Gefilmtwerden fällt es mir wesentlich leichter, aus mir heraus zu gehen. Das mag ich sogar, ich kann ja schon mal ganz schön meine Klappe aufreißen. Schwieriger finde ich es schon wieder, wenn ich dann in die Kritik gerate oder meine Texte von einem größeren Publikum diskutiert werden. 

Dabei ist ja Kritik an sich überhaupt nichts Schlimmes. Sie ist ja sogar wichtig, denn ich will ja immer wissen, was die andere Person bewegt. Ich tausche mich sogar manchmal mit Menschen aus, die eigentlich nur "Eierköppe" sind (so genannt, weil sie bei Twitter nur so graue ovale Eier statt eines Profilbilds haben und meistens auch nur 3 Follower). Meistens leider vergebens. 

Dabei ist es so wichtig, diese Traute zu haben. Menschen mit Ecken und Kanten bleiben im Gedächtnis und bewegen etwas. "Leute ohne Rückrat hab´n wir schon genug" (Zeile aus dem wunderschönen Liedtext "Kinder" von Bettina Wegner).

*Dieser Beitrag ist inspiriert vom #10minBlog meiner Kollegin Maren Martschenko und wurde innerhalb von 10 Minuten geschrieben. Eine wunderbare Idee, um ins Tun zu kommen. Probiere es doch einfach selbst aus: Den Timer auf 10 Minuten stellen, Thema wählen, schreiben, nur Rechtschreibfehler verbessern, veröffentlichen.

Bild: Marie Maerz/photocase.de

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