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Ute Blindert

Soll der Buchhandel doch sterben. Oder: Verkaufen in digitalen Zeiten

von Ute Blindert 26. Februar 2016
Soll der Buchhandel doch sterben. Oder: Verkaufen in digitalen Zeiten

Ich liebe Buchhandlungen. Ich kann stundenlang in Büchern blättern, hineinlesen, dazu Kaffee trinken, mit der Buchhändlerin meines Vertrauens über Krimis und Thriller fachsimpeln.

Praktischerweise hab ich eine famose Buchhandlung in meinem Viertel. Dort verbringe ich ganze Tage. Meine Buchhändlerin kennt mich: Sie weiß, dass es für mich gar nicht spannend und blutrünstig genug sein kann, ein schlechter Stil mich aber graust. Sie informiert mich, wenn ein neues Buch meiner Lieblingsautorin erscheint, und sollte ich es mit dem Abholen mal nicht bis zum Ladenschluss schaffen, hinterlegt sie es beim Büdchen an der Ecke. Sie weiß mir zu helfen, wenn ich meine Lesebrille vergessen habe. Sie hat immer ein Glas Wasser zur Hand, wenn ich nach langen Einkäufen mit trockener Kehle bei ihr vorbeischaue. Manchmal stoßen wir sogar mit einem Glas Sekt an. Kaffee bekomme ich sowieso, sobald ich mich in einen der gemütlichen Lesesessel fallen lasse.

Nein, der Buchhandel soll nicht sterben.

Aber dazu muss er auch im großen Stil lebendig bleiben – und sich mehr darum bemühen, mit den digitalen Riesenschritten von Amazon mitzuhalten. Einzelne Buchhandlungen machen da einen guten Job, wie eine Stichprobe zeigt: Ihre Webseiten sind nicht unbedingt „State of the art“, aber sie sind aktuell gehalten und bieten alle Serviceinformationen auf einen Blick. Sogar Kanäle wie Facebook sind eingebunden.

Ganz anders sieht das auf einer Seite wie buchhandel.de aus. Sie will die Vertriebsplattform des deutschen Buchhandels sein, schafft es aber nicht, die intellektuelle Lebendigkeit einer Buchhandlung ins Netz zu transferieren.

Ach, was sage ich, zu potenzieren!

Zwar finden sich auf der Seite Profile der Buchhandlungen und Empfehlungen der Buchhändler. Aber warum gibt es das nicht in modern und schön? Warum werden die Leser nicht viel mehr eingebunden? Warum bleiben Social Media außen vor? Warum ist die Seite nicht so programmiert, dass ich als Kundin Empfehlungen bekomme? Amazon ist dabei nur scheinbar das große Vorbild. Meine Buchhändlerin lieferte mir schon heiße Buchtipps, als es den Onlinehandelsgiganten noch gar nicht gab.

Gerade im Netz läge jetzt doch die Chance: Der Buchhandel in Deutschland ist ja im Vertrieb bereits fantastisch aufgestellt: Innerhalb eines Tages liefert der Großhandel die Bücher aus, vor Ort arbeiten engagierte Menschen. Wenn sich jetzt noch alle Buchhandlungen zusammentäten und dabei den Großhandel mit ins Boot holten, müsste das doch zu schaffen sein mit der Transformation.

Cover: Per Netzwerk zum Job

Cover: Per Netzwerk zum Job

Übrigens: Mein Buch „Per Netzwerk zum Job. Insider zeigen, wie du deine Träume verwirklichen kannst“ (Campus 2015) erhalten Sie beim Buchhändler Ihres Vertrauens. Und bei Amazon, buchhandel.de (als e-Book) und direkt beim Campus Verlag😉

Buchhandel. Bild: luxuz::./photocase.de

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2016 UTE BLINDERT, KÖLN.

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