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Ute Blindert

Digitale Öffnungszeiten – warum nicht?

von Ute Blindert 22. August 2016
Digitale Öffnungszeiten – warum nicht?

Ich bin sehr preußisch erzogen. Pünktlichkeit, Verlässlichkeit, Fleiß, Ehrgeiz, Disziplin sind Wörter, die ich sozusagen mit der Muttermilch aufgesogen habe. Das ist durchaus wörtlich zu verstehen, denn die Preußin in meiner Familie ist meine Mutter, die ursprünglich aus Berlin stammt. Mein Vater ist Rheinländer, Kölner sogar, und als solcher den eher leichten Seiten des Lebens zugewandt.

Mit einem Hang zur protestantischen Arbeitsethik erzogen worden zu sein, erleichtert einem vieles im Leben. Zunächst einmal passt es hervorragend zu unserer Leistungsgesellschaft. Frei übertragen: Leiste was, dann biste was.

Nun ist Leistung ja relativ. Nun, wenn man ein Unternehmen mit vielen Mitarbeitern aufgebaut hat, Nationalspielerin ist oder Vorständin, wird einem kaum jemand absprechen, etwas zu leisten. Wenn es aber ein Stück kleiner ist, normaler, ist es ja nicht mehr so leicht. Da macht man Leistung eher selbst fest – und ist dabei oft unerbittlicher als andere Personen von außen.

Ich bin immer schon jemand gewesen, der gern macht. So richtig Faulenzen kann ich nicht gut. Wenigstens lesen, das muss schon sein. Als Unternehmerin und Mutter kann man ja auch eigentlich immer arbeiten. Das habe ich auch gemacht, als ich 2006 mein Unternehmen gründete: Feierabend gab es nicht und auch die Wochenenden wurden gern geopfert. Ich fand das geil! Zeigte es doch, dass ich eine dynamische Unternehmerin mit Gründergeist bin.

Irgendwann kam noch ein Ehrenamt dazu, die Gründung des Kölner Quartiers der Digital Media Women und schließlich ab 2014 das Amt des Finanzvorstands. Der Schatzmeisterposten eines Vereins ist eine eher undankbare Aufgabe mit viel Arbeit und nicht so viel Ehre. Aber ich finde ihn wichtig und deswegen mache ich ihn gern.

Kurz, ich arbeite viel. Viel und gern.

Weil ich aber manchmal nicht merke, dass ich mir immer mehr aufhalse, wird es irgendwann zu viel. Ich brenne aus. Zum Glück ist es nie so schlimm geworden, dass es nicht mehr weiter ging. Aber es war kurz davor, das habe ich gemerkt.

Seitdem gibt es bei mir Öffnungszeiten:

  • Büro ist Büro: Wenn ich vom Büro nach Hause komme, bringe ich nur noch selten den Rechner mit. Texte und Mails schreibe ich auch außerhalb des Büros, allerdings in der Regel bis spätestens 18 Uhr.
  • Das Wochenende ist – meistens – frei: Wenn ich am Wochenende arbeite, wird dafür ein Tag in der Woche zum Wochenende erklärt.
  • Auszeit im Urlaub: Im Urlaub bin ich off, nur alle paar Tage checke ich meine Mails. Im Ausland auch mal gar nicht.
  • Öffnungszeiten für Social Media: Berufliche Anfragen im Facebook-Chat beantworte ich in der Woche und tagsüber. Ich rufe meine Apps aktiv auf und lasse mir Nachrichten nur von meinen Freizeit-Apps auf den Sperrbildschirm schicken.
  • Reduzierung der Kommunikation: Seitdem ich im letzten Jahr kurz vorm Ausbrennen stand, habe ich meine Kommunikation sehr reduziert. Newsletter gekündigt, Pressemitteilungen abbestellt, Automatismen eingestellt. So wurde die Zahl der Mails viel geringer.

Außerdem überlege ich:

  • Wie es wäre, das (Festnetz-)Telefon abzuschaffen? Meine Kunden melden sich per Mail oder via Social Media. Wenn mich jemand anruft, sind das meistens PR-Agenturen, was mich viel Zeit kostet und nichts bringt. Für notwendige Telefonate kann ich dann ja mein Mobiltelefon benutzen.

Was sind Ihre Lösungen? Was können Sie mir noch empfehlen? Bin ich noch nicht radikal genug?

Linktipps:

Digitale Öffnungszeiten. Bild: Jock Scott/photocase.de

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2016 UTE BLINDERT, KÖLN.

Ute Blindert

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