Facebook, die Jobmaschine [Episode 010]

Facebook, die Jobmaschine [Episode 010]

Von meiner Seite aus ist es ganz eindeutig: Facebook hat mir schon mehrere Jobs, also Projekte oder Aufträge, beschert. "Du bist ja Unternehmerin! Da ist das was ganz anderes", wenden dann meine Zuhörer*innen immer ein. Stimmt! Ich akquiriere darüber. 

Aber auch wer angestellt im Unternehmen arbeitet oder nach dem Studium auf Jobsuche ist, sollte sich mit Facebook auseinandersetzen. Denn unsere fachlichen Kompetenzen sind ja nur eine Seite unseres Profils. Ebenso wichtig ist vielen Menschen die Frage: Könnte ich mit ihm oder ihr? Was nehme ich von ihm/ihr wahr? Wie verhält er/sie sich in Diskussionen? 

Mehr dazu - und auch wie du strategisch vorgehen kannst, findest du in dieser Episode:

Shownotes: 


Artikel:

Facebook, rein privat? Von wegen! 

Facebook kann das ganz viel sein - und damit auch vor allem ein nettes, privates Netzwerk. Man kann es aber auch benutzen, um Marketing für sich selbst zu betreiben oder um das eigene Unternehmen voranzubringen. Oder man vernetzt sich einfach nett mit Kollegen. 

Es gibt also viele verschiedene Möglichkeiten. 

Heute soll es aber mal um die Betrachtung von Facebook als Jobmaschine gehen - sowohl aus Bewerbersicht, aber auch aus der Sicht von Unternehmern von kleinen Unternehmen, wenn diese auf der Suche nach einem Projektmitarbeiter sind. Oder auch, wenn diese an interessante Projekte kommen möchten. 

Wenn ich über Facebook spreche, ganz egal wo, sei es vor Journalistinnen oder an Hochschulen oder vor Wissenschaftlerin, immer gibt es Vorbehalte: 

  • Facebook ist eine Datenkrake, es greift meine Daten ab!
  • Ich stelle meine Sachen zur Verfügung und dann kann Facebook damit machen, was es möchte. 
  • Ich mache darin alles öffentlich und so weiter und so fort. 
Gerade in Deutschland gibt es sehr viele Menschen, die Facebook gegenüber sehr kritisch eingestellt sind. Natürlich lässt sich sehr vieles aus öffentlichen Daten herauslesen - und letzten Endes vertraut ihr durchaus private oder persönliche Daten einem amerikanischen Unternehmen an. 


Wichtige Unterscheidung: Persönlich oder privat?

Nun kann ja jeder selbst entscheiden, welche Daten er zur Verfügung stellt. Ich selbst unterscheide zum Beispiel immer zwischen persönlich und privat. Ich stelle sehr wohl Dinge von mir zur Verfügung, die etwas über mich als Person aussagen. Ich bin aber sehr zurückhaltend damit, was meine privaten Sachen anbelangt. Es wird praktisch keine privaten Bilder von mir auf Facebook geben, man wird meine Familie da nicht finden, meine Kinder nicht und auch nicht meinen Mann - meine privaten Daten versuche ich möglichst herauszuhalten. 

Persönliche Informationen von mir findet man allerdings, und man wird sicher auch sehr leicht herausfinden, welche Einstellung ich habe zu bestimmten Themen wie Umweltschutz oder auch zum Beispiel zur Bundestagswahl habe. 

Meine Leitfrage: Dürfte das auch als Aushang am "Schwarzen Brett" hängen?

Aber ehrlich gesagt, ich habe da überhaupt kein Problem mit, das würde ich in jedem Radiointerview sagen, das könnte ich auch im Fernsehen sagen, das kann auch auf einem Plakat im Büroflur hängen. 

Mein Kriterium ist: Sachen, bei denen ich mir vorstellen kann, dass ich die irgendwo auch an einer Litfaßsäule stehen, die dürfen auch öffentlich bei Facebook zu sehen sein. 

Wenn du dich also damit auseinandersetzt, was Facebook für dich bedeuten kann, solltest du dich damit auseinandersetzen, was du zur Verfügung stellen möchtest. Und du kannst dir natürlich überlegen, welche Daten du wo veröffentlichen möchtest. So lässt sich in den Profileinstellungen einstellen, welche Sachen du zum Beispiel über Suchmaschinen teilbar machen möchtest, welche Dinge nicht gesehen werden sollen und welche nicht teilbar sein sollen. Du kannst sehr viel in den Privatsphäre-Einstellungen bei deinem Profil schützen - und ich kann dir nur empfehlen, dich damit auseinanderzusetzen. 

Personal Branding mit Facebook

Im folgenden geht es um dein persönliches Marketing und deine persönliche Vorstellung als Bewerber oder Bewerberin oder auch als Selbstständige oder Unternehmer.

In deinem Profil lässt sich sehr viel über Listen einstellen. Über diese Listen kannst du deine Inhalte kuratieren. So kannst du zum Beispiel eine Liste "Familie" erstellen. Darunter findet sich deine Familie wieder, also Eltern, Verwandte, Geschwister. Oder du erstellst eine Liste "Freunde" oder "Pferdefreude". Mit den "Pferdefreunden" teilst du dann nur deine Pferdesachen. 

Analog dazu kannst du das für dein berufliches Profil nutzen. Hier könnten deine Listen heißen "Kunden", "IBM-Kollgen", "Business-Kontakte", "Digitalleute" oder auch "Kandidaten". Deine Liste "Kollegen" könnten dann neben den Kollegen aus deinem Unternehmen auch Kontakte aus der gleichen Branche in anderen Unternehmen umfassen. Denn diese sind oft fürs berufliche Netzwerken extrem wertvoll. Wenn diese dich auf einer persönlicheren Ebene kennenlernen, bekommen sie eher eine Idee dazu, was für ein Typ Mensche du bist und welche Themen du stehst. 

Letzten Endes kommt es natürlich darauf an, was du fachlich drauf hast. Aber damit man dich als Fachfrau wahrnimmt, dazu kann deine Präsenz in sozialen Medien und eben auch bei Facebook eine Menge dazu tun. 

Wenn du jetzt eine Listeneinteilung vorgenommen hast, kannst du bei jedem Post entscheiden, über welche Liste dieser ausgespielt werden sollte. Wenn es alle lesen können sollen, kannst du natürlich immer noch "öffentlich" posten. 

Man kann das sehr strategisch angehen. So kannst du dir anschauen, ob deine Inhalte Dienstags morgens besser laufen als wenn du diese am Sonntags teilst. Dazu natürlich die Frage: Für welche Inhalte möchte ich stehen? Wenn du zum Beispiel als Fachfrau für Digitalstrategie bekannter werden möchtest, solltest du (nicht nur) rosa Einhörner posten. In einem bestimmten Kontext und im richtigen Maß kann es aber wieder goldrichtig sein. Wenn du also fünf tolle Artikel und Beiträge zu Digitalisierung gepostet hast, passt ein Einhorn wunderbar in dein Portfolio - dann wir es eher als eine coole, edgy Ergänzung wahrgenommen!

Gut ist es, wenn die Menschen sagen: "Awesome! Das ist doch die Digitalstrategin mit dem Einhorn;-)"

Letzten Endes liegt es zu einem guten Teil in deiner Hand, wie man dich wahrnimmt: als Fachmensch oder als den Typen mit dem Tüddelkram. 

Dazu kommt die Frage: Wo poste ich? Du kannst über deine Listen posten, also über dein Profil selbst. Was sich aber als zunehmend interessant herausstellt, ist das Posten, Sich-engagieren und Beteiligen in Gruppen. Hierfür würde ich mir verschiedene Gruppen angucken, mich anmelden oder auch Gruppen empfehlen lassen von Menschen mit ähnliche Interessen. 

Wichtige Fragen dabei sind: 

  • Wie aktiv ist eine Gruppe? 
  • Wird eine Gruppe (gut) moderiert? 
  • Wie ist der Ton untereinander? Wertschätzend oder von oben herab? 
So bin ich zumindest bei meiner Auswahl vorgegangen und habe damit zum Beispiel die Gruppe der Digital Media Women ausgewählt oder die der New Work Women.  

Beide sind relativ große und offene Gruppen. Neben diesen gibt es aber auch kleinere, geschlossene Gruppen. In diese kommt man nicht so ohne weiteres hinein - und hier gibt es oft den besseren Austausch sowie viele Empfehlungen und Gespräche über Projekte und auch Jobs. 

Wenn du jetzt zum Beispiel im Kommunikationsbereich unterwegs bist oder als Trainer, Moderator oder Beraterin arbeitest, dann solltest du dir für deine Branche und deinen Bereich Fachgruppen suchen.  In diesen Fachgruppen ist es oft so, dass die Leute, die zum Beispiel aus Unternehmen kommen, Projekte posten oder Jobs, oft verbunden mit der Aussage: "Hier wird bald etwas frei! Wen es interessiert, meldet euch!" So kannst du schnell mal über einen möglichen neuen Job sprechen, ohne dich in die Schlange mit Hundert andere Bewerbern einzureichen. Ihr beide könnt so schnell klären, ob sich eine Bewerbung lohnt. Im schlimmsten Fall hast du eine Bewerbung gespart. 

Diese Telefonate, bei denen man sich bereits aus einer Gruppe kennt, gehen oft sehr viel schneller in die Tiefe und werden auf einer ganz anderen Vertrauensebene geführt. Ich zumindest habe darüber schon viele Jobs bekommen. Selbst in Branchen, die als sehr konservativ gelten, lassen sich so Hintergründe abklären und du kannst deine Bewerbung wesentlich gezielte aufbereiten. 

Vom Du zum Sie oder was? 

Eine Frage, die sich aus den Kontakten in Gruppen bei Facebook oft ergibt, ist die nach dem "Du" oder "Sie"? Bei Facebook ist die Umgangssprache leger und das drückt sich im "Du" aus. Wenn man dann in andere Netzwerke wechselt oder das erste Mal miteinander telefoniert, stellt sich die Frage: Zum "Sie" wechseln? Ich mache es einfach so, dass ich diese Frage einer Nachricht kurz voranstelle und frage, was meinem Gegenüber lieber ist. Meistens bleiben wir dann beim "Du" - auch wenn das in manchen Zusammenhängen durchaus ungewohnt ist. 

Empfehlungen für die Kommunikation in Gruppen (und überhaupt)

  • Sei verbindlich, versuche durch deine Kommunikation zu zeigen, was für ein guter Typ du bist. Neulich hatte ich ein Beispiel erlebt, wie es eher nicht geht: In einer Gruppe hatte ein Trainer eine andere Meinung als die anderen. Eine andere Meinung zu haben, ist ja überhaupt kein Problem, es geht ja ums Diskutieren, den Austausch und andere Ansätze. Die Kommunikation von diesem Menschen war so wenig wertschätzend, à la "...habe ich nicht verstanden", "komische Idee". Diese Person würde ich wahrscheinlich nicht weiterempfehlen, während es mir sonst oft so geht, dass ich Kollegen empfehle, wenn ich einen Job nicht machen kann oder möchte. 
  • Sei erkennbar, zeige deine klare Kante. So lernt man, dich einzuschätzen und weiß besser zu sagen, was zu dir passt und was nicht. Dazu habe ich zwei Beispiele, die mir sehr gut gefallen haben in letzter Zeit. Felix Beilharz zum Beispiel, ist ein SEO-Guru, kennt sich super mit Online-Marketing aus und ist eigentlich so ein richtiger Kerl, eher so Tschakka! Martial Arts etc. Neulich beeindruckte er mich mit einem Post, indem er darüber nachdachte, wie Frauen sich wohl fühlen, wenn sie zum Beispiel nachts allein unterwegs sind und auf einmal merken, dass jemand hinter einem geht.  Dazu formulierte er seine Gedanken, was mir eine andere Seite von ihm zeigte und mir richtig gut gefiel. er zeigte einfach einen anderen Aspekt von sich und das fand ich sehr, sehr spannend.  

Facebook

Hier noch eine kleine Geschichte: Die IHK Köln hatte beschlossen, dass sie jetzt nach ihren Veranstaltungen so kleine Doggy Bags zur Verfügung stellt, mit denen man die übrig gebliebenen Häppchen mit nach Hause nehmen kann. Ich finde das natürlich super, weil ich einfach das total blöd finde, wenn Lebensmittel verschwendet und weggeschmissen werden. Also teilte ich den Post. Dieses sehr persönliche Thema war der Post mit den meisten Likes, Draufsichten und Shares. Das zeigt mal wieder, dass man zwar für die Fachthemen angestellt oder eingekauft wird, aber vernetzen möchte man sich mit dem Menschen. Also: Trau dich, werde persönlich!


JobProkrastinationsmaschine Facebook

Ein Punkt, der allerdings bei Facebook unbedingt angesprochen werden muss: Der Zeitfaktor. Bei mir als Unternehmerin läuft Facebook die ganze Zeit nebenher. Aber wenn ich mich konzentrieren muss, stelle ich es ab. Dann würde es mich zu sehr ablenken. In Unternehmen ist es sehr unterschiedlich: Bei manchen ist es erlaubt, bei anderen nicht. Natürlich ist Facebook ein Eldorado für Prokrastinierer und man kann auch gut abends noch auf dem Sofa sitzen und ständig bei Facebook präsent sein. 

Hier helfen feste Zeiten - oder eben digitale Öffnungszeiten. Du kannst auch einen Techsabbat machen oder dir nur bestimmte Zeiten zuteilen. Probiere einfach aus, was zu dir passt. 

Mein Haupt-Tipp für Facebook: Habe einfach Spaß dabei! Austausch auf fachlicher Ebene mit persönliche Aspekten macht einfach sehr viel Spaß. 


Bild: knallgrün/photocase.de

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