Mach´ mal Pause!

Mach´ mal Pause! "Manchmal brauche ich eine Auszeit vom Netzwerken..." Lars Hahn im Gespräch [021]

Always on, immer bereit, mit dem nächsten Menschen in Austausch zu treten - den wenigsten Menschen gefällt das wirklich. In Wirklichkeit brauchen selbst die extrovertierten Typen auch ihre Auszeiten. Lars Hahn, Geschäftsführer der LVQ Weiterbildungs gGmbH und Erfinder von "Systematisch Kaffeetrinken", zählt sich selbst zu den aktiven Netzwerkern. Aber auch er nimmt sich sehr bewusst Auszeiten - wie er hier im Gespräch auf der CARconnects in Bochum erzählt. 

Shownotes:

Interview: 

Ute Blindert: Heute ist es ein bisschen unruhig. Ich bin heute auf der CAR-connects in Bochum, eine ganz tolle Karrieremesse für diejenigen, die in der Automobilindustrie einsteigen möchten. Dabei geht es heute ja nicht mehr nur um Verbrennungsmotoren, sondern auch um E-Mobiliät. Super spannend! 

Jetzt sitze ich hier zusammen mit Lars Hahn von der LVQ. Lars, wir haben uns ja auf der CAR-connect kennengelernt oder zumindest das erste Mal persönlich getroffen. Ich freue mich riesig, dass du jetzt mit hier im Gespräch bist, Lars.

Lars Hahn: Hallo.

Ute Blindert: Wenn ich Lars beschreiben müsste, würde ich sagen, Lars ist sozusagen ein Hansdampf in allen Gassen, ein Netzwerker par excellence. Als wir vorhin aber gesprochen haben, hast du auch gesagt: Netzwerken und #neverlunchalone ist ganz toll, aber manchmal braucht man auch das #lunchalone. Was meinst du damit?

"Netzwerken ist ja schön, aber es ist auch wichtig, Ruhepausen zu finden!"

Lars Hahn: Auf so einer Messe führt man ja ständig Gespräche. Gerade, wenn du da auch Aussteller bist, redest du und hörst hin und bist aufmerksam und verbunden mit den Menschen. Also dachte ich mir, ich nutze die Mittagspause jetzt einfach mal, um zu schweigen und die Ohren auch ein bisschen zu entlasten. Das ist symptomatisch dafür, wie es bei mir auch so im Alltag läuft. Also Netzwerken ja, schön, ist auch wichtig, und Kontakte pflegen, in Verbindung sein, das alles macht viel Freude, aber für mich ist es auch ganz wichtig, dann Ruhepausen zu finden. 

Ute Blindert: Wie machst du das mit der Entspannung? Sagst du dir ganz bewusst, ich brauche mal ein #lunchalone oder hast du noch andere Mechanismen?

Lars Hahn: Manchmal ist es nicht so einfach, Berufs- und Familienmanagement unter einen Hut zu kriegen. Es gab mal Phasen in meinem Leben, wo ich Langeweile hatte, die sind schon lange vorbei. (lacht) Deswegen suche ich mir Freiräume: Ich jogge gerne, völlig hobbymäßig, keinen Marathon oder so. Das ist für mich ein bewusst gewählter Zeitraum, wo nicht geredet wird, wo ich niemandem zuhören muss, wo ich völlig auf mich allein gestellt bin. Deswegen würde ich auch nie im Team joggen gehen, sondern ich nutze diese Me-Time für mich, die dann auch wirklich dazu führt, dass ich im Laufe des Jogging-Programms von einer, anderthalb Stunden immer mehr abschalten, entspannen kann und wirklich zur Ruhe komme. Wenn ich mal erkältet bin oder aus anderen Gründen nicht laufen kann, dann mir das und meinem Organismus auch.

Ute Blindert: Wusstest du das schon immer oder hat sich das mit der Zeit entwickelt?

"Ich brauche Ruheinseln im alltäglichen Tohuwabohu."

Lars Hahn: Diese bewusste Wahrnehmung von Entspannungsphasen habe ich noch gar nicht so lange. Seit drei, vier Jahren wird mir das immer klarer. Seitdem rede ich beruflich über das Netzwerken und wie es funktioniert, dass man in Kontakt mit anderen Menschen kommt. Mir ist da erst richtig klar geworden, dass man sich diese Ruheinseln im alltäglichen Tohuwabohu schaffen kann und auch muss.

Ute Blindert: Du hast gerade ein Wort benutzt, das man beim Netzwerken gar nicht verwenden sollte, nämlich das Müssen. Mir passiert das manchmal, wenn ich davon erzähle, wie toll Netzwerken ist und dass man das machen muss! Dann merke ich, nee, niemand muss müssen. Wie ist das bei dir?

Lars Hahn: Deswegen habe ich mir auch "Systematisch Kaffeetrinken" ausgedacht. Viele Leute sagen: Ich kann nicht Netzwerken. Du hast gut reden, du bist kommunikativ und stehst immer vorne, ein bisschen Rampensau ist auch nicht falsch. 

Muss man aber nicht. Muss man eben nicht, denn jeder hat seinen eigenen Stil. In Kontakt sein mit Menschen, in Verbindung sein mit Menschen, das können selbst Introvertierte. Das können selbst ganz stille Menschen, indem sie ihren Stil des Netzwerkes finden. 

Manchmal ist Netzwerken auch mehr Recherche, gucken, wer ist interessant und wen spreche ich an? Wem schreibe ich eine E-Mail? Das geht ja auch, wenn man nicht so ganz nach außen gewandt ist. 

"Wichtiger ist die Grundhaltung: Ich pflege meine Kontakte zu anderen Menschen."

Wichtiger ist die Grundhaltung: Ich pflege meine Kontakte zu anderen Menschen. Wenn ich das tue, dann ist der Druck nicht so groß, denn ich kann das auf meine Art machen. Das Blöde ist, dass Menschen dann anfangen über Netzwerken nachzudenken, wenn es schon brennt. Wenn ich auf Jobsuche bin oder wenn ich als Freiberufler gerade keine Aufträge habe. Dann muss ich jetzt mal zwingend Netzwerken und das bereitet Stress. Wenn ich in Not bin und dann anfangen muss ein Netzwerk zu klöppeln, dann ist es schon viel zu spät.

Ute Blindert: Mein Ansatz ist ja, dass man ganz klein anfangen kann. Selbst mit 2 Minuten am Tag könnte man anfangen. Wenn du dann sagst, okay, vielleicht nicht 2 Minuten am Tag, aber 15 Minuten in der Woche, ist auch schon mehr als 0. 

Wichtig ist es auch, sich die Frage zu stellen: Was mag ich beim Netzwerken? Was kommt mir entgegen? Dann die Komfortzone zu erweitern und zu sagen, okay, es fällt mir nicht ganz so leicht, aber ich probiere es mal. Ich gehe einen kleinen Babyschritt. Wie siehst du das?

Lars Hahn: Dieses Kleine-Schritte-Gehen ist sicherlich ein ganz wichtiges Ding. Gleichzeitig aber sich ein Herz fassen, nenne ich das immer. So ganz klassisch, könnte von meiner Oma kommen. Aber das passt auch gut, sich ein Herz fassen, einen gewissen Mut aufzubringen. Oder auch einfach, eine Fehlerkultur zuzulassen. Mal was Peinliches zu sagen. Unvollkommen zu sein. Möglicherweise auch mal einfach sich selber zuzugestehen, neue Menschen kennen zu lernen, dazu gehört, dass es auch mal nicht passt. 

Im Grunde geht es in die Richtung, ein bisschen Druck rauszunehmen, immer vollkommen und perfekt zu sein. Sich vorher zu überlegen, was sage ich denn jetzt? 

Oh, den kann ich aber nicht ansprechen, weil der ist ja so berühmt. In Wirklichkeit sind wir alle nur Menschen. 

Insofern entspannt es total, wenn man Netzwerken als Mischung aus professionellem Miteinander und gemütlichem, nettem Kaffeetrinken sieht. 

Ute Blindert: Dann macht das auch richtig Spaß. Ihr wisst ja, ich bin totaler Fan davon und ich bin auch der Überzeugung, dass jeder von euch das kann und machen sollte. Nochmal herzlichen Dank an dich, Lars, für das Gespräch hier. Du bist jetzt hier auf dem Sprung, du musst jetzt gleich weiter. Vielen Dank!

Lars Hahn: Danke dir, liebe Ute und bis zum nächsten Kaffee.

Ute Blindert: Wir trinken dann mal wieder einen systematischen, nee, wie heißt das?

Lars Hahn: Systemat…

Ute Blindert: Einen systematischen Kaffee.

Lars Hahn: Genau.

Ute Blindert: Ihr wisst schon, alles Gute, viel Erfolg und tatsächlich heute: #neverlunchalone! 

Bild: Radu_Bercan/photocase.de

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