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Ute Blindert

Wie wär´s denn mal mit Ehrlichkeit? Oder: Warum es überhaupt nichts nützt, eine Love Employer Brand zu sein.

von Ute Blindert 27. April 2015
Wie wär´s denn mal mit Ehrlichkeit? Oder: Warum es überhaupt nichts nützt, eine Love Employer Brand zu sein.

Das Stellenportal Monster Worldwide Deutschland GmbH hat in Zusammenarbeit mit dem Centre of Human Resources Information Systems (CHRIS) in der Studie „Bewerbungspraxis 2015“ untersucht, auf welche Punkte Stellensuchende und Karriereinteressierte während des Bewerbungsprozesses achten.

Dabei haben sich bei den Präferenzen im Laufe der letzten zehn Jahre ein paar interessante Änderungen ergeben. So ist mittlerweile den meisten Befragten ein gutes Betriebsklima am wichtigsten (94,3 Prozent/2014), im Gegensatz zum Inhalt der Tätigkeit (68 Prozent/2004). Danach folgen heute direkt flexible Arbeitszeiten (85,9 Prozent), Karrieremöglichkeiten (84,5 Prozent), Weiterbildung und Wissensaustausch (83,7 Prozent). Mittlerweile halten 67,9 Prozent Vereinbarkeit von Familie und Beruf für wichtig, vor zehn Jahren waren das nur 27 Prozent. Die flexiblen Arbeitszeiten spielten damals mit 28 Prozent eine untergeordnete Rolle.

Ergebnissse Monster Bewerbungspraxis 2015

Ergebnissse Monster Bewerbungspraxis 2015

Monster zieht nun in einem Gastartikel auf dem Personalmarketingblog den Schluss: Um die ausreichende Anzahl an Bewerbern anzuziehen, reiche es nicht mehr, ein Arbeitgeber zu sein. Unternehmen müssten zur „Love Employer Brand“ werden – einer Arbeitgebermarke mit starker emotionaler Anziehungskraft.

Geht´s noch?

Zwar merkt Bernd Kraft, Vice President General Manager Central Europe bei Monster, an, dass es natürlich nicht ausreiche, einen Kicker in die Kantine zu stellen und Rafting-Ausflüge anzubieten. Stattdessen sollten sich Unternehmen damit auseinandersetzen, was ihre Bewerber wollen. Und deren Wünsche hätten sich nun einmal um 180 Grad gewendet.

Kommt darauf an.

  • Meiner Meinung nach sind die Unterschiede nicht sooo groß, wie sie auf den ersten Blick aussehen. Natürlich ist das Betriebsklima etwas anderes als der Inhalt der Tätigkeit. Allerdings bedingt eine passende inhaltliche Tätigkeit oft auch ein gutes Betriebsklima.
  • 2004 stand für die meisten Befragten das Gehalt mit 64 Prozent an zweiter Stelle, 2014 an sechster Stelle, es ist aber immer noch für 50 Prozent wichtig. Dafür sind die Karrieremöglichkeiten nach oben gerutscht auf Platz Drei mit 84,5 Prozent, die 2004 nur von 38 Prozent genannt wurden. Meiner Meinung nach haben hier die meisten erkannt, dass mehr Karrieremöglichkeiten auch ein besseres Gehalt implizieren, sich aber nicht darauf beschränken.
  • Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist wichtiger geworden, hier haben sich die Prozentzahlen von 27 Prozent auf 67,9 Prozent mehr als verdoppelt. Das hat sich also wirklich etwas in den Köpfen der Bewerber getan. Es sei jetzt mal dahingestellt, was davon erwünschte Antworten sind.

Was bedeutet das nun für Arbeitgeber?

Sollten sie eine „Love Employer Brand“ werden?

Es hört sich ja wirklich bestechend an: „Love Employer Brand“! Die emotional aufgeladene Arbeitgebermarke. Toll! Das wollen wir haben, höre ich jetzt schon die Stimmen aus den … ja, woher denn?

So ein Quatsch.

Sie wissen doch, wie das mit der Liebe ist. Am Anfang ist ein Paar verliebt, der andere wird in den Himmel gehoben und kann gar keine Fehler haben. Das ist die leidenschaftliche Phase. Wunderschön, aber auch ganz schön anstrengend. Also beruhigen sich die Gefühle nach und nach, man entdeckt Eigenschaften, Ecken und Kanten, die einem nicht ganz so gut gefallen. Dafür lernt man die Gemeinsamkeiten umso mehr schätzen und auch die Geschichte, die einen als Paar verbindet. Die Verliebtheit wird zur Liebe.

Wenn irgendwann mehr Herausforderungen und Aufgaben dazu kommen, zum Beispiel eine räumliche Trennung, Kinder, Hausbau, Stress, kann das zu ganz schönen Verwerfungen führen. Manche Paare zerbrechen an diesen Herausforderungen, andere bleiben zusammen. Sie scheinen das Geheimnis erfolgreicher Beziehungen entdeckt zu haben. Wenn man diese Paare fragt, was sie zusammenhält, gibt es oft Antworten dieser Kategorien:

  • Wir begegnen uns respektvoll und auf Augenhöhe.
  • Wir finden uns immer noch spannend.
  • Wir können gut miteinander reden.
  • Wir machen viel gemeinsam.
  • Wir haben eine so schöne Geschichte.

So gesehen ist vielleicht die Beziehung zwischen Mitarbeiter und Arbeitgeber gar nicht sooo weit entfernt. Auch hier zählen Wertschätzung, neue Herausforderungen, gute Kommunikation zu den Faktoren, die eine Beziehung zwischen Mitarbeiter und Unternehmen erfolgreich machen.

Aber das geht erst im „Zusammen-sein“!

Deswegen sträubt sich bei mir alles, wenn Unternehmen jetzt versuchen, zur „Love Employer Brand“ zu werden. Sie sollten fair, offen und klar mit Kandidaten umgehen. Sie sollten mit ihren Mitarbeitern sprechen und von diesen lernen. Sie sollten nicht nur Werte haben, sondern diese leben. Tag für Tag.

Sie sollten eine verlässliche Employer Brand sein. Die Liebe kommt dann vielleicht noch.

2 Kommentare

  • Wunderbar! Und dann sollten Unternehmen noch ihre Außenkommunikation mit den innen gelebten Werten in Einklang bringen ... eine ziemlich große Baustelle bei vielen Firmen ;o))

    Liebe Grüße,
    Christa
  • Wie Recht Du hast! Ein Arbeitsplatz kann weder Familie noch Partner, nicht mal Freunde ersetzen. Und sei das Klima dort noch so gut. Und es sollte auch nicht der Anspruch sein! Der Begriff "Liebe" hat in diesem Kontext nichts zu suchen, sonst ist man von Anfang an unehrlich..

Was denkst du?

2016 UTE BLINDERT, KÖLN.

Ute Blindert

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