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Ute Blindert

Jan Tißler, Journalist und Upload-Macher: „Ich versuche zu erkennen, wohin der Puck gerade unterwegs ist!“

von Ute Blindert 21. April 2016
Jan Tißler, Journalist und Upload-Macher: „Ich versuche zu erkennen, wohin der Puck gerade unterwegs ist!“

Das Bild mag ich sehr: Jan Tißler in der Sendekueche

Jan Tißler kenne ich aus der Zusammenarbeit für die Upload-Ausgabe zu den Digitalen Macherinnen, für die ich einen Beitrag über mein Herzensthema „Netzwerken“ schreiben durfte. Seitdem verfolge ich die Arbeit von @jati noch intensiver. Er ist einer von den Journalisten, die ständig Neues ausprobieren – so wie Videos aus der „Sendeküche“ oder auch mal ein gedrucktes Magazin (wie jetzt ein Best-of-UPLOAD zur rpTEN). Umso mehr freut es mich, dass er mir für ein paar Fragen für mein Blog Rede und Antwort stand.

Lieber Jan, du wohnst die meiste Zeit in San Francisco, ursprünglich stammst du ja aus Hamburg. Was bedeutet Heimat für dich?

Heimat ist für mich eine tiefgehende Vertrautheit mit meiner Umgebung. Das sind Orte, die direkt mit mir und meinem Leben verwoben sind. Das sind Menschen und Geschichten, die wesentlich mitbestimmen, wer ich bin. Das sind „meine Leute“, die ich sofort verstehe. Und das ist in meinem Fall das herzliche „Moin“, wenn ich die Bäckerei betrete, um mir ein Franzbrötchen zu kaufen.

Ich lebe ja nun schon seit über 20 Jahren nicht mehr in Hamburg, aber ich bin dort aufgewachsen. Und ich fühle mich weiterhin sehr wohl, wenn ich dort bin. Ich kann mich mit dieser Stadt sehr identifizieren. Da sind meine Wurzeln.

Wobei ich aber nicht behaupten würde, dass es mich zurück nach Hamburg zieht. Das Hamburger Abendblatt hat in seinem Titel den Spruch: „Mit der Heimat im Herzen die Welt umfassen“. Das ist ein Zitat des Dichters Gorch Fock, wie mir Wikipedia gerade verraten hat. Und das passt ganz wunderbar zu mir. Ich bin mit Anfang 20 in die Welt gezogen und inzwischen in Kalifornien angekommen. Aber Hamburg ist trotzdem immer bei mir.

Und damit meine ich nicht nur meinen „St. Pauli“-Kaffeebecher.

Was hat dich denn überhaupt in die USA geführt? Liegt es an deinem Faible für Technikthemen?

Ja, mir ging es mehr um Kalifornien als um die USA an sich. Das Silicon Valley hat mich schon seit Jugendtagen fasziniert und ich habe mich immer gefragt, wie ich mir wohl mal eine Reise dorthin leisten könnte. Als ich dann 2010 zu einer Konferenz nach San Francisco eingeladen wurde, habe ich die Chance ergriffen. Dann bin ich 2012 zurückgekehrt. Dann 2013. Und als ich 2014 wieder in San Francisco ankam, bin ich hängen geblieben, kann man sagen. Ich war inzwischen in der glücklichen Lage, ortsunabhängig arbeiten zu können.

San Francisco ist eine tolle Stadt mit einer spannenden Geschichte und einer bunten Kulturszene. Und natürlich ist es für mich als Tech-Schreiberling sehr spannend, hier vor Ort zu sein.

Mit UPLOAD bringst du ja im Team mit Falk Hedemann und Sebastian Schürmanns ein rein digitales Magazin heraus. Angefangen hast du ja ganz klassisch als Lokalredakteur. Wo siehst du den Journalismus und die Medien in der Zukunft (sagen wir mal in 5/10 Jahren)?

Jan Tißler, Sebastian Schürmanns, Falk Hedemann, Upload Magazin, Hamburg, 21.11.2015 Foto: Patrick Lux für upload Magazin CREDIT: www.patrick-lux.de Patrick Lux, Gilbertstrasse 69, 22767 Hamburg Germany, mobile +49 177 2403821, es gelten meine AGB, einsehbar unter www.patrick-lux.de/agbPatrickLux.pdf

Jan Tißler, Sebastian Schürmanns, Falk Hedemann,
Upload Magazin, Hamburg, 21.11.2015
Foto: Patrick Lux für upload Magazin
CREDIT: www.patrick-lux.de

Das ist ein so weites Feld, dass ich gar nicht weiß, wo ich anfangen soll. Ehrlich gesagt denke ich darüber laufend nach, weil ich meinen Beruf sehr mag und ich am liebsten auch die nächsten 20 Jahre und darüber hinaus meinen Lebensunterhalt damit finanzieren möchte. Insofern versuche ich zu erkennen, wohin der Puck gerade unterwegs ist, wie es so schön heißt.

Die Medienwelt ist auf jeden Fall komplexer geworden, vielfältiger, unübersichtlicher. Die Grenzen verschwimmen – zwischen Pressemitteilung und Artikel, zwischen Redakteur und Leser, zwischen Darstellungsformen und Medienformaten.

Bei der Lokalzeitung haben wir von Sonntag bis Freitag jeden Tag eine Ausgabe produziert. Artikel wurden recherchiert, geschrieben, gedruckt und wanderten dann ins Archiv. Die heutige Medienwelt kennt solche abgeschlossenen Produkte praktisch kaum noch. Ein Redaktionsschluss kommt einem da fast so antiquiert vor wie ein Sendeschluss mit Testbild im Fernsehen. Die Artikel erscheinen auch nicht mehr nur auf der eigenen Website, sondern idealerweise zugleich im Social Web. Sie können und müssen aktualisiert werden. Zudem werden sie durch die Reaktionen und die Kommentare der Leser erweitert oder in Frage gestellt. Man gibt heute keinen Artikel mehr ab. Hat man den Artikel das erste Mal veröffentlicht, muss man das eher als den Beginn seiner Lebensspanne ansehen.

Der Trend geht aus meiner Sicht weiter in diese Richtung. Projekte wie Facebook Instant Articles, Google AMP oder auch Apple News zeigen, dass jeder die Inhalte direkt auf der eigenen Plattform haben will. Nun muss man also in diverse Kanäle publizieren und das idealerweise auch noch alles im Blick behalten, auswerten und optimieren. Zugleich wird abseits von Verlagen immer mehr „Content“ produziert.

Geld soll auch verdient werden damit. Aber das ist noch ein ganz anderes Fass… Das würde jetzt zu weit führen.

Was würdest du einem Journalistik-Studenten heute empfehlen? Wie kann er sich gut auf seinen Berufsweg vorbereiten?

Interessiert und neugierig sein und mit offenen Augen durch die Welt gehen. Die Chancen in neuen Entwicklungen sehen. Ich bin immer wieder überrascht, wenn Nachwuchs-Journalisten weiterhin Zeitung, Zeitschrift, Radio oder Fernsehen machen wollen. Es gibt so viel mehr zu entdecken im Digitalen. Hier sind Leute gefragt, die gern ausprobieren und mutig sind. Mir hat mal jemand gesagt: „Es gibt keine neuen und alten Medien – nur Werkzeuge, um Geschichten besser zu erzählen.“

Noch einmal zu UPLOAD: Bist du zufrieden mit der Entwicklung des Magazins? Wie sieht euer Geschäftsmodell aus? Würdest du es als #herzensprojekt oder englisch „passion project“ bezeichnen?

UPLOAD ist auf jeden Fall ein Herzensprojekt! Es begleitet mich ja schon seit Ende 2006 und hat in der Zeit verschiedene Wandlungen durchgemacht. In der jetzigen Form als monatliches digitales Magazin publizieren wir es seit Sommer 2013 und seitdem hat es sich ganz ausgezeichnet entwickelt.

Unser Geschäftsmodell steht auf zwei Säulen: Zum einen finanzieren wir uns durch die Leser, die unsere Ausgaben einzeln oder im Abo beziehen können. Sie können die Beiträge dadurch früher und besonders bequem lesen. Außerdem bekommen die Abonnenten Inhalte wie unsere „UPLOAD Soezial“-Ausgaben. Wir arbeiten hinter den Kulissen daran, das Angebot noch zu erweitern. Die Frage ist für uns immer: Was kann ein rein digitales Magazin machen und anbieten, das bei einem klassisch-gedruckten Magazin nicht möglich ist? Und was davon hilft unseren Leserinnen und Lesern, Dinge zu verstehen und Entscheidungen zu treffen?

Die zweite Säule ist das Sponsoring. Wir haben letztes Jahr mit Mittwald unseren ersten langfristigen Hauptsponsor gewonnen. Er erscheint mit seinem Logo oben rechts auf der Seite und wenn wir bspw. eine neue Ausgabe ankündigen. Außerdem haben sie die Möglichkeit, einen Sponsored Post pro Ausgabe/Monat bei uns zu veröffentlichen. Daneben bieten wir als einzige weitere Werbeform „Sponsored Specials“ an: Zur dmexco 2015 haben wir da gemeinsam mit Adobe ein Sonderheft zum Thema „Customer Experience“ herausgebracht. Weitere Werbung gibt es keine auf der Seite. Wir beschränken uns da ganz bewusst. Sowohl bei den Inhalten als auch bei der Werbung geht es uns immer in erster Linie um Qualität.

Wir machen deshalb auch bei der täglichen Jagd nach den „heißesten“ Themen und den „klickstärksten“ Überschriften sehr bewusst nicht mit. Das gibt es aus unserer Sicht schon genug im Netz. Wir wollen herausfinden: Wie kann eine verlässliche, aktuelle und moderne Informationsquelle aussehen? Was ist die digitale Entsprechung des Fachmagazins? Da sind wir noch lange nicht bei der Antwort angekommen. Aber wir haben in den letzten Jahren definitiv eine Menge gelernt. Und wir arbeiten daran, Stück für Stück besser zu werden.

Noch zwei Fragen: Was vermisst du am meisten, wenn du in den USA bist?

Familie und Freunde! Moderne Technik hilft mir zwar sehr dabei, in Kontakt zu bleiben. Und das ist ganz klasse. Aber natürlich kann das trotzdem keine persönlichen Treffen ersetzen.

… und wenn du in Deutschland bist?

Mein Leben hier! Ich kann es nicht anders sagen. Nach zwei intensiven Jahren in San Francisco kann ich sagen, dass es mein neues Zuhause ist.

Noch mehr #herzenprojekte? Bitte sehr:

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2016 UTE BLINDERT, KÖLN.

Ute Blindert

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