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Ute Blindert

Ich will kein #bloggerfuerfluechtlinge sein!

von Ute Blindert 02. Oktober 2015
Ich will kein #bloggerfuerfluechtlinge sein!

Ich will das wirklich nicht!

Allein, wenn ich das Bild oben betrachte, schmerzt mein Herz. Es zeigt meine damals zweijährige Tochter auf der Treppe zur Dachterrasse eines der alten Häuser im christlichen Viertel Bab Tuma in Damaskus.

Von außen sehen diese Häuser ganz unscheinbar aus, eher schlicht. Die Gassen sind eng und schmucklos, nur ab und zu brettert ein Taxi oder ein Lieferwagen hindurch. Wenn sich aber die Tür öffnete, tat sich eine ganz eigene Welt auf mit Innenhof, Garten, hohen Decken und Fenstern. Wunderschöne Fliesen und Schmiedearbeiten gehörten ebenso dazu wie eine umlaufende Veranda. Die meisten Häuser verfügen über eine Dachterrasse, auf der die Bewohner auch schon mal im Sommer schliefen.

Im Jahr 1997 wohnte ich mit meinem damaligen Freund und meiner Tochter für einige Zeit in Damaskus, um Arabisch zu lernen. Damaskus war dafür genau die richtige Stadt und Bab Tuma ein idealer Ort. Das Viertel grenzt an die Omayyaden-Moschee und den Souk mit all seinen Gewürz-, Nuss- und Teppichhändlern, Silberschmieden und Schnitzereien.

Durch den Souk zu schlendern – was für eine Freude. Im Kaffeehaus zu sitzen – wunderbar. Die Omayyaden-Moschee ist für mich eines der schönsten Häuser, in denen ich je gebetet habe. Ein heller und lebendiger Ort: Außerhalb der Gebetszeiten rannten Kinder über die Teppiche, Familien saßen im Kreis, an den Säulen trafen sich Gesprächskreise und natürlich beteten viele Menschen.

Ich kann mir nicht vorstellen, dass es dieses Damaskus nicht mehr gibt.

Ich will mir nicht vorstellen, dass es dieses Damaskus nicht mehr gibt.

Ich weiß, dass meine Erinnerung von meinen Eindrücken als Europäerin geprägt ist, die als Sprachreisende und Touristin kaum etwas von der Unterdrückung und der Grausamkeit des Assad-Regimes mitbekam. Ich weiß, dass ich damals selbst als Studentin einen finanziell weit komfortableren Status hatte als viele Syrer.

Deshalb schmerzt es mich so zu sehen, dass so viele Syrer nun ihre Heimat, ihr Heim, ihren Alltag und ihr Auskommen verloren haben.

Also werde ich ein #bloggerfuerfluechtlinge sein.

Auch wenn es mich schmerzt.

2 Kommentare

  • Beim Lesen deines Berichts kamen mir auch die Tränen. Die Nachrichten und die Bilder aus Syrien treffen einen so sehr, auch wenn man sich davor nie für dieses Land interessiert hatte. Wenn man dort gewohnt und das Land so in Erinnerung hat, muss es unerträglich sein. Hoffen wir, dass wir irgendwann unser Symbol entfernen können, weil der Krieg vorbei ist und die Menschen wieder nach Hause dürfen.
  • Liebe Silvia, danke dir für deinen Kommentar. Ich möchte gar nicht darüber nachdenken. LG Ute

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2016 UTE BLINDERT, KÖLN.

Ute Blindert

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